Wissensdurst stillen

Wissensdurst stillen

Wie wird Strom erzeugt, welche Technologien gibt es und wie geht man verantwortungsvoll mit Energie um? Dieses Wissen vermitteln die EKZ in ihrem Angebot für Schulen. Ein Besuch einer Schullektion in der Sekundarschule Rümlang.

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Philipp und Mario sind Studenten der Geografie – und zwei von sechs Moderatoren der Unterrichtseinheiten, welche die EKZ den Schulen in ihrem Versorgungsgebiet anbieten. Sie wurden eigens für diese Aufgabe eingestellt und ausgebildet. An einem regnerischen Donnerstagmorgen fahren die beiden an der Sekundarschule Rümlang vor und laden allerlei Material aus ihrem Auto. Auf dem Programm steht heute eine Schullektion zum Thema Stromproduktion in einer 7. Klasse.

Altersgerechte Präsentation

Der Lehrer Erich Maggioni nimmt die beiden in Empfang und bringt sie in seine Klasse. Im Klassenzimmer sind bereits 21 Schülerinnen und Schüler versammelt und beobachten neugierig, was die beiden jungen Männer nun auspacken. Die meisten kennen die Unterrichtseinheiten bereits aus der Primarschule. Auch Erich Maggioni hatte in seinen Klassen schon regelmässig von dem Angebot profitiert. «Diese praktische Art der Wissensvermittlung durch externe Fachleute ist für die Schüler immer eine willkommene Abwechslung zum normalen Unterrichtsalltag.»
Für jede Altersstufe wurden dazu passende Inhalte und Formen der Vermittlung konzipiert. Für die Jahrgangsstufen 7 bis 9 wurden die Lektionen nun überarbeitet. Daniel Bauer, Verantwortlicher Jugend & Schulen bei den EKZ erklärt: «Wir sind immer bestrebt, möglichst aktuelle Inhalte anzubieten – etwa auch zum Aspekt Nachhaltigkeit.» In der Klasse in Rümlang wird heute getestet, ob das überarbeitete Konzept, das ab dem neuen Schuljahr angeboten wird, bei den Schülerinnen und Schülern ankommt. «Wir müssen ausprobieren, ob das Wissen, das wir vermitteln möchten, überhaupt in unseren neu gesteckten Zeitrahmen passt», erläutert der Moderator Mario. Statt bisher zwei dreistündige Unterrichtseinheiten bieten die EKZ nun drei zweistündige Lektionen an.

 

«Hat schon mal jemand von euch selbst Strom produziert?»

 

Zum Mitmachen motiviert

Zunächst einmal müssen aber die beiden Moderatoren bei den Jugendlichen gut ankommen – und das tun sie. Die beiden Studenten sind schon rein äusserlich nicht so weit von den Schülern entfernt. Und sie schaffen auch den Balanceakt zwischen Kumpel und Wissensvermittler. Nach der Begrüssung steigen sie gleich ins Thema ein. «Hat schon mal jemand von euch selbst Strom produziert?» Ein Nicken geht durch die Reihen, noch bleiben die 21 Mädchen und Jungen stumm. Doch das Eis ist bald gebrochen. Die beiden Moderatoren verteilen Handgeneratoren, Kabel, Lampen, Ventilatoren und Schalter an die Klasse. In Teams zu zweit oder dritt sollen sie nun herausfinden, wie man damit Strom erzeugt. Mit viel Eifer geht es zur Sache. «Da muss das schwarze Kabel rein!» - «Weiss ich selber!» - «Du hast aber das rote reingesteckt!» Als Antwort kommt nur noch ein Augenrollen.

Strom geht alle an: Die Schülerinnen und Schüler in Rümlang haben Spass daran herauszufinden, wie Elektrizität erzeugt wird.
Nicht nur graue Theorie: Die praktische Vermittlung der Inhalte steht im Vordergrund.

Der Umgangston ist zwar manchmal rau, aber alle sind mit Eifer bei der Sache. «Was sicher hilft, ist, dass die meisten bereits in der Primarschule solche Lektionen hatten. Dadurch haben sie schon ein Grundwissen und fühlen sich nicht so fremd in der Materie», sagt der Klassenlehrer. Und tatsächlich verlieren die meisten ihre Scheu sehr schnell. Die Antworten kommen rasch und es wird viel nachgefragt. Auffällig ist die starke Beteiligung der Mädchen – Technik ist eben heute nicht mehr reine Jungensache. Jana, ein aufgewecktes Mädchen im schwarz-weissen Karohemd, weiss alle Antworten und folgt den Ausführungen der beiden Moderatoren ganz interessiert. Später stellt sich heraus, dass ihr Vater Elektriker ist – das Interesse bringt sie also bereits von zuhause mit. 

Kritische Fragen erwünscht

Auch bei den anderen Schülerinnen und Schülern ist spürbar, dass sie sich durchaus schon einmal mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Als es um die verschiedenen Kraftwerkstypen geht, kommen Fragen, vor allem zur Kernenergie. Mögliche Gefahren und das Thema der Entsorgung sind den Jugendlichen durchaus bewusst. Für Jeanne, die aufmerksam zugehört hat, stellt sich da vor allem eine kritische Frage: «Warum baut man dann nicht mehr Solarkraftwerke, wenn Kernkraft gefährlich sein kann?» Doch die beiden Moderatoren sind gut vorbereitet und kommen nicht in Verlegenheit. Sie erläutern, dass mit Kernkraftwerken Strom gleichmässig und in sehr viel grösseren Mengen erzeugt werden kann als mit erneuerbaren Energien, bei denen man wetterabhängig ist. Doch die Entwicklung geht auch hier ständig weiter. Mario und Philipp erläutern die Vor- und Nachteile der einzelnen Kraftwerkstypen und zeigen auf, dass keine Technologie einfach nur gut oder nur schlecht ist. Es müsse also immer abgewogen werden, welcher Kraftwerkstyp wo am effizientesten sei.
Damit das Thema nicht nur graue Theorie bleibt, darf die Klasse nun wieder selbst Hand anlegen. Die Aufgabe: Jede der sechs Gruppen, in welche die Schüler eingeteilt wurden, soll ein kleines Windkraftwerk bauen, aus Rotorblättern, Rotornaben und vielen Kabeln. Alles, was es dazu braucht, befindet sich in einem sogenannten Windkoffer, den die Moderatoren für diese Übung griffbereit haben. In den Gruppen wird geschraubt und wieder losgemacht, die Möglichkeiten werden besprochen und nicht immer setzt sich die richtige Lösung durch. Doch nach einigen Anregungen durch die Moderatoren bläst durch beide Räume frischer Wind. Alle haben die Aufgabe lösen können. «So lernen die Klassen spielerisch und haben erst noch ein Erfolgserlebnis», sagt Philipp.

 
«Warum baut man dann nicht mehr Solarkraftwerke, wenn Kernkraft gefährlich sein kann?»

 

Testlektion geglückt

Nach dieser Aufgabe sind die zwei Stunden bereits vorbei. Mario und Philipp müssen nun ein Fazit ziehen, damit die Lektion bis zum Beginn des neuen Schuljahres optimiert werden kann. Dazu ist vor allem auch die Meinung der Schülerinnen und Schüler wichtig. Sie werden gefragt, was man denn besser machen könnte. Jana, die mit dem Arbeitsblatt als erste fertig war, fragt, ob man nicht noch Zusatzblätter anbieten könnte für die besonders Schnellen. Und Jeanne hat auch einen Wunsch: «Kann man nicht noch mehr Experimente machen?» Wertvolle Informationen für die Moderatoren, die nun an die Auswertung der gelungenen Testlektion gehen werden – damit auch im neuen Schuljahr wieder zahlreiche Klassen ihr Energiewissen spielerisch vergrössern können.

Die EKZ bieten kostenlos verschiedene Unterrichtseinheiten für alle Volksschulen im Versorgungsgebiet an. Die Einheiten sind auf den Lehrplan des Kantons Zürich und die jeweilige Schulstufe abgestimmt und sie werden regelmässig aktualisiert. Speziell ausgebildete Moderatoren besuchen die Klassen und vermitteln altersgerechtes Grundlagenwissen im Bereich Energie und für den effizienten Umgang mit diesen Ressourcen. Dazu sind die Moderatoren mit entsprechenden Lehr- und Experimentiermaterialien ausgestattet – Materialien, für deren Anschaffung die Schulen meist kein Budget hätten. Die Teilnahme an diesem Programm ist für die Schulen kostenlos.

Mehr Informationen zum Schulangebot der EKZ finden Sie auf ekz.ch/schulinfo. Hier können Lehrpersonen ihre Klassen direkt online anmelden.