Der Stoff, aus dem die Zukunft ist

Der Stoff, aus dem die Zukunft ist

Outdoorsport boomt – und wer in die Natur geht, braucht die entsprechende Kleidung. Die junge Firma DNS (Development Never Stops) entwickelt Funktionsbekleidung für Sport, Mode und Militär. Mit ihrem Know-how ist sie in Europa einzigartig.

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Die Räumlichkeiten von Development Never Stops – kurz DNS – sind voll mit Maschinen aller Art für die Verarbeitung von Textilien. DNS-Gründer Thomas Deutschenbaur erklärt, wofür sie da sind. Da gibt es nicht nur Nähmaschinen, sondern Maschinen, die Nähte verschweissen, solche, die sie kleben, und auch Maschinen für den Zuschnitt. In einem Nebenraum steht ein Kasten mit gläsernen Wänden, in dem flaumige Federn liegen. «Das haben wir selbst konstruiert. Damit können qualitativ sehr hochwertige Daunen aufgelockert werden, die dann als eine Isolierschicht eingearbeitet werden.» Es schwingt viel Stolz mit in Deutschenbaurs Stimme und man ahnt, dass hier echte Leidenschaft für die Materialien und Produkte vorhanden ist. Eine Leidenschaft, die aber auch mit hohen Investitionen verbunden ist. Wie haben die beiden Gründer das finanziert? «Wir haben ganz klein angefangen und hatten noch nie Fremdinvestoren. Das gibt es heute wohl kaum noch», erzählt Thomas Deutschenbaur. «Wir haben die ersten Projekte abgewickelt und alles sofort wieder in das Unternehmen reinvestiert.» 

Mutiger Sprung in die Selbständigkeit

Im ersten Stock eines Industriegebäudes an der Sihl entstehen Kleidungsstücke, die später einmal abenteuerlustige Alpinisten und sonstige Outdooraktive vor Wind, Wetter und Kälte schützen sollen, oder, genauer gesagt: die Modelle dazu, sogenannte Prototypen. 2009 hat der gebürtige Bayer Thomas Deutschenbaur mit seinem Kompagnon Marcel Geser mit einem Designstudio im Sportbereich angefangen, vor allem mit Ski- und Outdoorbekleidung. «Unser Ziel war es, nicht nur das Design zu machen, sondern die Prototypen für neue Kollektionen selbst zu entwickeln, also auch die Maschinen dafür zu haben.» Der Weg in die Selbständigkeit war für die beiden eine logische Konsequenz aus ihren bisherigen Jobs, erzählt der gelernte Schneider: «Wir hatten die Erfahrung gemacht, was alles schieflaufen kann, wenn man die Entwürfe nicht selber umsetzen kann.» Angewiesen zu sein auf Produzenten in Fernost, welche die Kleidungsstücke dann oftmals nicht so umsetzten, wie sie entwickelt worden waren, das war beider Sache nicht. 

DNS verfügt über eine eigene Entwicklungswerkstatt, in der moderne Maschinen zur Verfügung stehen, um jede denkbare Textilverarbeitung zu testen und zu produzieren.
DNS verfügt über eine eigene Entwicklungswerkstatt, in der moderne Maschinen zur Verfügung stehen, um jede denkbare Textilverarbeitung zu testen und zu produzieren.
Intelligente Isolation mit nachhaltigen Gänsedaunen und wasserabweisenden Spezialfasern: eine Jacke für höchste Ansprüche, von DNS für den südkoreanischen Sportausrüster Black Yak entwickelt.
Intelligente Isolation mit nachhaltigen Gänsedaunen und wasserabweisenden Spezialfasern: eine Jacke für höchste Ansprüche, von DNS für den südkoreanischen Sportausrüster Black Yak entwickelt.
DNS verfügt über eine eigene Entwicklungswerkstatt, in der moderne Maschinen zur Verfügung stehen, um jede denkbare Textilverarbeitung zu testen und zu produzieren.
DNS verfügt über eine eigene Entwicklungswerkstatt, in der moderne Maschinen zur Verfügung stehen, um jede denkbare Textilverarbeitung zu testen und zu produzieren.
«Jeder, der bei uns anfängt, wird mindestens zwölf Monate lang intern geschult.» Thomas Deutschenbaur, Mitbegründer DNS
«Jeder, der bei uns anfängt, wird mindestens zwölf Monate lang intern geschult.» Thomas Deutschenbaur, Mitbegründer DNS
DNS verfügt über eine eigene Entwicklungswerkstatt, in der moderne Maschinen zur Verfügung stehen, um jede denkbare Textilverarbeitung zu testen und zu produzieren.
DNS verfügt über eine eigene Entwicklungswerkstatt, in der moderne Maschinen zur Verfügung stehen, um jede denkbare Textilverarbeitung zu testen und zu produzieren.

Hochspezialisiertes Know-how

Mit ihrer Geschäftsidee sind die DNS-Gründer in Europa bis heute einzigartig. Denn die Herstellung von Funktionskleidung ist hochkomplex. Da werden Hightechfasern gelasert und geklebt, genäht und verschweisst und sogar mit Ultraschall zusammengefügt, um unterschiedlichste Materialien miteinander so zu kombinieren, dass sie dem Träger des Kleidungsstücks später die optimale Funktionalität bieten. In diesem Bereich innovativ zu sein, ist schwer, denn das Know-how dazu ist in Europa kaum vorhanden. «Eine wasserdichte Jacke zu gestalten, ist eine schöne Idee, aber es gibt so unendlich viele Schritte und Details zu beachten, da muss das Wissen sehr gross sein.»

Doch woher hatten die DNS-Gründer dieses Wissen? Die Bedürfnisse kannten die beiden als ehemalige Sportler aus eigener Erfahrung. Und in ihren vorherigen Jobs hatten sie sehr viel über die Entstehung von Funktionskleidung gelernt. Heute sind sie für ihre Kunden sozusagen die externe Entwicklungsabteilung. Die Anforderungen sind dabei immer sehr unterschiedlich und an das jeweilige Projekt gebunden. Der gelernte Schneider erklärt: «Den Beruf des Schneiders kann man erlernen, man kann Design oder Schnitttechnologie studieren, doch wie man Funktionskleidung herstellt, konnte man bisher nirgends erlernen.» Dieses spezialisierte Wissen eignete sich das junge Unternehmen nach und nach selbst an. Alle Mitarbeitenden – mittlerweile 13 – sind wie die beiden Gründer gelernte Schneiderinnen und Schneider. «Alle – bis auf die Buchhaltung», ergänzt Deutschenbaur. Doch wer hier zu arbeiten beginnt, muss erst einmal angelernt werden. «Jeder, der bei uns anfängt, wird mindestens zwölf Monate lang intern geschult.» 

Der Wille zum Durchhalten

Dank guten Beziehungen und viel Verhandlungsgeschick fand DNS Partner, die das Start-up in der Aufbauphase unterstützten – unter anderem ein italienischer Maschinenhersteller. «Die sind uns auch in schwierigen Zeiten immer sehr entgegengekommen, was die Lieferungen und die Zahlungsmodalitäten angeht.» Das geht nur, wenn eine Vertrauensbasis geschaffen wird, weiss Deutschenbaur. «Wenn wir an einem neuen Projekt arbeiten, geben wir immer zuverlässig Rückmeldung, was der Stand der Dinge ist. So bauen wir das Vertrauen auf.»

Doch trotz aller Unterstützung und einem guten Netzwerk lief nicht immer alles so glatt, wie sich die beiden Gründer das gewünscht hätten. «Der Produktionszyklus ist in der Sportbranche ein ganz anderer als in der Mode. Allein schon die Stoffe und Accessoires brauchen viel länger in der Produktion, denn sie werden nicht auf Lager, sondern bedarfsgerecht produziert.» Für die Entwicklungszeit muss man eineinhalb bis zwei Jahre rechnen, von der Entwicklung bis zur Bestellung des Händlers. Das hatte einer ihrer ersten Kunden nicht berücksichtigt – was für sein Unternehmen das Aus bedeutete. Auch für DNS ein herber Rückschlag, denn man hatte bereits sehr viel investiert. «Um das zu überstehen, braucht es Durchhaltevermögen.» Doch eines war Deutschenbaur wichtig: «Alle unsere Leute wurden immer pünktlich bezahlt. Wir haben uns selbst halt oft nichts bezahlt.»

Die Leidenschaft für das, was sie tun, gab ihnen die Energie, sich immer wieder zu fangen. Und die Freude an spannenden Aufträgen. «Wir haben schon Athleten wie den deutschen Extremskibergsteiger und Ultramarathonläufer Basti Haag, der leider 2014 in Tibet ums Leben kam, oder Jost Kobusch, der Alleinbesteigungen auf Achttausender macht, begleitet. Und viele weitere Athleten, die Wettkämpfe wie etwa den Arctic Marathon austragen.» Deutschenbaur ist in seinem Element. Für diese Extremsportler entwickelt DNS Produkte, die ihren spezifischen Bedürfnissen entsprechen. «Der eine mag Merino, der andere Hightechfasern. Da werden viele Materialien neu entwickelt, denn auf 7000 oder 8000 Metern Höhe darf es nicht passieren, dass etwas reisst. Oder es braucht schnell erreichbare Taschen, in die man unterwegs schnell etwas hineinschieben kann, ohne anhalten zu müssen.» Finanziert werden solche Entwicklungen von den Sponsoren der Athleten, grossen Brands wie etwa Black Yak, einem Unternehmen aus Südkorea, das an der weltgrössten Sportartikelmesse, der ISPO in München, vielfach preisgekrönt wurde. Einige dieser Preise gingen an Produkte, die DNS für Black Yak entwickelt hatte.

Einblicke in die Kreation
Einblicke in die Kreation
«Den Beruf des Schneiders kann man erlernen, man kann Design oder Schnitttechnologie studieren, doch wie man Funktionskleidung herstellt, konnte man bisher nirgends erlernen.» Thomas Deutschenbaur, Mitbegründer DNS
«Den Beruf des Schneiders kann man erlernen, man kann Design oder Schnitttechnologie studieren, doch wie man Funktionskleidung herstellt, konnte man bisher nirgends erlernen.» Thomas Deutschenbaur, Mitbegründer DNS
Thomas Deutschenbaur, einer der Gründer von DNS, umgeben von Materialien, aus denen das mittlerweile 13-köpfige Team die Prototypen für Sport- und Militärbekleidung herstellt. Angefangen aber hat alles ganz klein.
Thomas Deutschenbaur, einer der Gründer von DNS, umgeben von Materialien, aus denen das mittlerweile 13-köpfige Team die Prototypen für Sport- und Militärbekleidung herstellt. Angefangen aber hat alles ganz klein.

Neue Geschäftsfelder erobern

Aber der Sportbereich ist nicht das einzige Spielfeld von DNS. Das innovative Unternehmen ist auch im Bereich der Schutzkleidung für Militär und Spezialeinheiten hochkompetenter Ansprechpartner. Wie kam das? «Ich war in meiner Anfangszeit in der Schweiz bei Odlo tätig. Damals war ich oft bei der Empa für Materialtests und hatte dort Kontakte aufgebaut», erzählt Thomas Deutschenbaur. Über diese Kontakte kam schliesslich eine Anfrage. «Irgendwann haben wir einen kleinen Probeauftrag bekommen, den wir noch vor der Frist ablieferten.» Die Adliswiler überzeugten mit Qualität, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit: «Wir wurden textiler Entwicklungspartner und durften die komplette Miliz ausstatten.» Der Auftrag ist mittlerweile erledigt, die Produkte sind nun als Bestandteil der kompletten neuen Ausrüstung in der finalen Testphase. Für DNS der Startschuss für einen neuen Geschäftszweig. Das Feedback der Kunden ist gut, die hervorragenden Passformen werden gelobt, und auch im Bereich der Materialwahl hat DNS grosses Know-how – warum sollte man diese Kompetenzen also nicht auch für Schutzkleidung einsetzen? «Die Problemstellung ist ja immer die gleiche», erläutert Deutschenbaur. «Nur die spezifischen Anforderungen unterscheiden sich. Spezialeinheiten etwa brauchen Bekleidung aus Materialien mit ganz besonderen Funktionen. Und wir wissen genau, wie man so etwas umsetzen kann.»

Doch der Ehrgeiz des jungen Unternehmens geht noch viel weiter. «Wir schaffen aktuell die Strukturen für eine Weiterentwicklung von DNS», sagt Deutschenbaur – ganz im Sinne des Firmennamens, der wörtlich übersetzt «Entwicklung, die niemals aufhört» bedeutet. Und man spürt es: Die Leidenschaft ist frisch wie am ersten Tag. 

Development Never Stops (DNS) ist ein hochinnovatives Unternehmen, das Sport- und Militärbekleidung von der ersten Zeichnung bis hin zu den Prototypen entwickelt, designt und fertigt.

Als Spezialität verfügt DNS in Adliswil bei Zürich über ein Produktionsstudio mit eigenem Maschinenpark, der den höchsten Industriestandards entspricht und alle technischen Möglichkeiten zur Stoffverarbeitung umfasst.

Die Gründer und Köpfe hinter DNS sind Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur. Zwölf ISPO Awards, der deutsche Bundespreis Ecodesign 2016, ein German Design Award, ein Plus X Award und ein R&D 100 Award für die SSZ Camouflage Technology sind Beweis für die erfolgreiche und zukunftsorientierte Arbeit von DNS.