«Ich habe das Gefühl zu schweben»

«Ich habe das Gefühl zu schweben»

Anfang Jahr hat Spitex Zürich 46 Elektroautos angeschafft. Rita Rotach ist eine der Mitarbeiterinnen, die täglich mit dem Elektroauto auf Kundenbesuch geht – oder schwebt, wie sie sagt.

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Rita Rotachs Arbeitstag startet um sieben Uhr. Es herrscht emsiges Treiben im Zentrum Seefeld von Spitex Zürich. «Eigentlich wäre ich seit drei Jahren pensioniert, aber ich liebe meine Arbeit», erklärt die gelernte praktische Krankenpflegerin, die sich vor einigen Jahren zur Sozialbegleiterin weitergebildet hat. Sie schaut sich noch einmal kurz die Tour für heute auf ihrem Phablet, einer Kombination aus Tablet und Smartphone, an. Pro Kunde sind je nach Pflegeaufwand zwischen 15 und 60 Minuten gerechnet. Doch ihr ist es auch wichtig, sich etwas mehr Zeit zu nehmen, wenn jemand das benötigt. Dann gleiche sie dies an einem anderen Tag wieder aus.

Musikalischer Genuss

In der Garage warten die Elektrofahrzeuge des Standorts auf ihren Einsatz. Geübt zieht die Krankenpflegerin den Stecker aus der Steckdose am Auto und aus der Ladestation, rollt das Kabel zusammen und versorgt es im Kofferraum des Kleinwagens. «Beim ersten Mal hatte ich Mühe, das Fahrzeug zu starten. Man merkt gar nicht, dass es läuft.» Aber genau das ist es, was sie am Elektroauto fasziniert: «Die Fahrt ist so ruhig, ich habe das Gefühl, über die Strasse zu schweben», schwärmt sie. Sie musste jedoch ihr Fahrverhalten etwas anpassen. «Da die Elektroautos so leise sind, muss ich vorausschauender fahren. Gerade in Quartierstrassen, wo das Tempo auf 30 Kilometer pro Stunde beschränkt ist und ich viel unterwegs bin. Es kommt ab und zu vor, dass mich die Menschen draussen nicht hören und die Strasse genau dann überqueren wollen, wenn ich heranfahre.» Die Umstellung von Verbrennungsmotor auf Elektrofahrzeug sei ihr sehr leicht gefallen. Ihr Sohn besitzt ebenfalls ein elektrisch betriebenes Auto. Deshalb kannte sie sich bereits ein bisschen damit aus und war offen, als Spitex Zürich mitteilte, dass Elektrofahrzeuge angeschafft würden. Zudem haben alle Mitarbeitenden eine Einführung in die Handhabung der neuen Fahrzeuge erhalten. Ist Rita Rotach am Fahren, erklingt klassische Musik aus dem Radio. «Ich geniesse diese Minuten im Auto», meint die passionierte Jodlerin und reiht sich in den Morgenverkehr ein. 

Alles, was Rita Rotach braucht, wenn sie für die Spitex unterwegs ist, hat prima Platz im Elektroauto.
Alles, was Rita Rotach braucht, wenn sie für die Spitex unterwegs ist, hat prima Platz im Elektroauto.
Übers Tanken müssen sich die Spitex-Mitarbeitenden keine Gedanken machen. Wieder zurück in ihrem Spitex-Zentrum schliessen sie das Auto an der Ladestation an.
Übers Tanken müssen sich die Spitex-Mitarbeitenden keine Gedanken machen. Wieder zurück in ihrem Spitex-Zentrum schliessen sie das Auto an der Ladestation an.
«Bis jetzt hatte ich nie Probleme. Ehrlich gesagt bevorzuge ich das Elektroauto auch, da ich den Fahrersitz sehr gut einstellen kann.»
«Bis jetzt hatte ich nie Probleme. Ehrlich gesagt bevorzuge ich das Elektroauto auch, da ich den Fahrersitz sehr gut einstellen kann.»
46 der insgesamt 84 Flottenfahrzeuge der Spitex Zürich sind elektrisch betrieben.
46 der insgesamt 84 Flottenfahrzeuge der Spitex Zürich sind elektrisch betrieben.
Täglich legen die Fahrzeuge zwischen 60 und 80 Kilometer zurück.
Täglich legen die Fahrzeuge zwischen 60 und 80 Kilometer zurück.

Entlastung für Kopf und Rücken

Seit 13 Jahren arbeitet Rita Rotach bereits bei der Spitex, und seit einem Jahr ist sie im Zentrum Seefeld. Ihre Touren führen sie meist auf den Zürichberg. Deshalb war es ihr persönlich ein Anliegen, dass das Auto Kraft hat, wenn sie bergauf fährt. Dies ist bei Elektrofahrzeugen gegeben, da sie selbst bei geringen Geschwindigkeiten viel Leistung haben. Aber auch die Sicherheit darüber, dass die Batterieladung für die gesamte Tour reicht, war ihr sehr wichtig. «Bis jetzt hatte ich nie Probleme. Ehrlich gesagt bevorzuge ich das Elektroauto auch, da ich den Fahrersitz sehr gut einstellen kann. Gerade in meinem körperlich doch anspruchsvollen Beruf tut es gut, in den Pausen den Rücken entlasten zu können.» Was sie am Elek­trofahrzeug ebenso schätzt ist, dass sie sich keine Gedanken mehr übers Tanken machen muss. Denn sobald sie zu ihrem Spitex-Zentrum zurückgekehrt ist, schliesst sie das Auto wieder an die Ladestation an. Fertig. So lädt das Auto in der Garage, bis es wieder im Einsatz ist.

Leidenschaft mit viel Eigenverantwortung

Schon hat sie das Wohnhaus des ersten Kunden erreicht. Das Auto lässt sich dank seiner Grösse gut parkieren. Sie schnappt sich ihren Rucksack mit dem ganzen Material, das sie für die Pflege benötigt, vom Rücksitz und steigt die Treppen hoch zur Eingangstür. So früh am Morgen stehen hauptsächlich Körperpflege und Ankleiden an. Was sie bei welcher Person zu tun hat, entnimmt sie dem Phablet. Nach ihrem Besuch wird sie dort eintragen, wenn sie etwas Aussergewöhnliches festgestellt hat oder in der vorgeschriebenen Zeit eine bestimmte Aufgabe nicht erledigen konnte, damit die Pflegeperson diese Informationen am nächsten Tag hat. Sie schätzt die Vielseitigkeit und Selbständigkeit bei ihrer täglichen Arbeit. «Neben Körperpflege und Medikamente verabreichen koche ich auch für Kunden, wenn sie keinen Mahlzeitendienst in Anspruch nehmen möchten», erzählt Rotach. «In meinem Beruf trägt man viel Verantwortung und muss oft selber und schnell entscheiden.» Die Leidenschaft für ihren Beruf hat Rotach bis vor zwei Jahren als Berufsbildnerin an junge Menschen weitergegeben. Sie vermisse diese Zeit und den Austausch mit den Jugendlichen. Aber mit ihrem 45-Prozent-Pensum ist sie zufrieden. Schliesslich ist sie noch Prüfungsexpertin im Pflegebereich und schaut auch einen Tag in der Woche zu ihren Enkelkindern. Wie lange sie noch arbeiten möchte, lässt sie sich offen: «Solange es mir Spass macht und ich von der Spitex aus arbeiten kann, werde ich die Kunden betreuen.»

Die Non-Profit-Organisation Spitex Zürich hat einen Versorgungsauftrag der Stadt Zürich und bietet hilfe- und pflegebedürftigen Bewohnern Leistungen rund um Pflege, Hauswirtschaft und Betreuung an.

Da nachhaltiges Handeln der Organisation wichtig ist, sind seit diesem Jahr 46 der insgesamt 84 Flottenfahrzeuge elektrisch betrieben. Täglich legen die Fahrzeuge zwischen 60 und 80 Kilometer zurück, weshalb sich Spitex Zürich für den Peugeot iON mit einer Reichweite von 150 Kilometern entschieden hat. 

EKZ Eltop hat die Ladestationen für die 46 Elektrofahrzeuge von Spitex Zürich installiert – sowohl für die Tiefgaragen- als auch für die Aussenparkplätze. Die Ladung der Fahrzeuge erfolgt auf Wunsch in der Nacht, zum Strom-Niedertarif. «Wenn die Batterieladung jedoch tief ist und der Wagen nochmals gebraucht wird, kann der Mitarbeiter der Spitex bequem einen Schalter an der Ladestation umstellen und die Tagesladung aktivieren», erklärt Reto Wullschleger, Leiter Elektromobilität bei EKZ Eltop.