Zähler-Pioniere seit 100 Jahren

Zähler-Pioniere seit 100 Jahren

Die Eichstelle der EKZ feiert ihren 100. Geburtstag und blickt zurück auf ein ganzes Jahrhundert technische Entwicklung im Zählerwesen.

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Das Dokument (siehe Bild oben) ist schon leicht vergilbt und die Schriftart lässt auf etwas Historisches schliessen: Auf dem Zulassungsblatt des eidgenössischen Amtes für Mass und Gewicht vom 5. Dezember 1917 stehen exotische Prüfämter wie die Siemens-Schuckert-Werke Zürich, die es heute nicht mehr gibt. Da tauchen, an 12. Stelle, aber eben auch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich auf. «Vor genau hundert Jahren wurden die EKZ als Prüfamt für elektrische Zähler zugelassen», erklärt Stefan Schulthess, Leiter der Eichstelle, die heute, hundert Jahre später, durch die Enpuls bewirtschaftet wird. Seither eicht und prüft das fünfköpfige Team um Schulthess pro Jahr tausende von Zählern im Auftrag der EKZ und von Drittkunden.

Aus dem Archiv

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums stiegen die Mitarbeitenden der Eichstelle tief ins Archiv und holten Zähler hervor, die die technische Entwicklung in der Elektrizität besser nicht veranschaulichen könnten: Die allerersten Zähler waren noch Einzelanfertigungen aus Holz. Doch bald startete die Massenproduktion mit schwarzen Metallgehäusen, ab den 60-er-Jahren folgte der erste Einsatz von Kunststoff bei Gehäusen und Abdeckungen. All diesen Zählern gemein bleibt das Innenleben: die Technik dahinter funktionierte bis in die 90-er-Jahre ausschliesslich mechanisch.
 

«Ab den 90-er-Jahren setzten die EKZ als eines der ersten Elektrizitätswerke auf den digitalen Zähler.»

Der Zähler im Wandel der Zeit

Die ersten Zähler aus Massenproduktion mit Metallgehäusen (1919, 1940, 1965)
Die ersten Zähler aus Massenproduktion mit Metallgehäusen (1919, 1940, 1965)
Ein mechanischer Zähler aus dem Jahre 1980, der mit einem elektronischen Geräteoberteil aufgerüstet wurde und somit nicht mehr von Hand abgelesen werden musste.
Ein mechanischer Zähler aus dem Jahre 1980, der mit einem elektronischen Geräteoberteil aufgerüstet wurde und somit nicht mehr von Hand abgelesen werden musste.
Goldenes Jubiläumsexemplar 2002: 100‘000 elektronische Zähler im Netz.
Goldenes Jubiläumsexemplar 2002: 100‘000 elektronische Zähler im Netz.
Der heutige Smart Meter, hier der ZMXi310, welcher bei den EKZ am häufigsten im Einsatz steht.
Der heutige Smart Meter, hier der ZMXi310, welcher bei den EKZ am häufigsten im Einsatz steht.
Einzelanfertigung aus Holz: Kalibriertes Präzisions-Wattmeter aus dem Jahre 1960, also ein Spezialmessgerät zum Eichen.
Einzelanfertigung aus Holz: Kalibriertes Präzisions-Wattmeter aus dem Jahre 1960, also ein Spezialmessgerät zum Eichen.
Zulassungsblatt des eidgenössischen Amtes für Mass und Gewicht vom 5. Dezember 1917: An 12. Stelle die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich.
Zulassungsblatt des eidgenössischen Amtes für Mass und Gewicht vom 5. Dezember 1917: An 12. Stelle die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich.
Seite 2 des Zulassungsblattes des eidgenössischen Amtes für Mass und Gewicht: Einige der Elektrizitätswerke gibt es auch heute - 100 Jahre später - noch.
Seite 2 des Zulassungsblattes des eidgenössischen Amtes für Mass und Gewicht: Einige der Elektrizitätswerke gibt es auch heute - 100 Jahre später - noch.

Der Schritt ins digitale Zeitalter

«Der grosse Schritt in der Entwicklung des Zählerwesens passierte in den 90-er-Jahren», erzählt Schulthess. «Ab dann setzten die EKZ als eines der ersten Elektrizitätswerke auf den digitalen Zähler.» Noch heute haben die EKZ eine Vorreiterrolle inne: Im Schweizer Durchschnitt sind nur gerade 40 Prozent aller Zähler elektronische. Umgekehrt haben die die EKZ keine 20 Prozent mechanische Zähler mehr im Netz.
Was bedeutet dies nun für die Eichstelle? Die Wandlung vom mechanischen zum digitalen Zeitalter verlangte natürlich auch nach veränderten Fachkenntnissen. Wo die Prüfspezialisten früher oft umgeschulte Uhrenmacher waren, ist der Job heute ohne Computerkenntnisse nicht mehr machbar. Und wo früher (oder in anderen, sehr kleinen Verteilgebieten noch heute) sämtliche Zähler turnusgemäss überprüft wurden, passiert dies heute bei den EKZ nur noch über klar definierte Stichproben (sogenannte «Lose»). Bei 370'000 Zählern im Netzgebiet und 100‘000 Zählern von Drittkunden wäre dies gar nicht mehr anders zu bewältigen.

Vorteile für Kunden

Schon ist jedoch ein neues Zeitalter angebrochen: das des Smart Meters. Das bringt für den Kunden zahlreiche Vorteile mit sich: Er kann seinen Verbrauch jederzeit nachvollziehen und somit beeinflussen. Da Smart Meter im Unterschied zum konventionellen digitalen Zähler kommunizieren können, erübrigt sich die Ablesung vor Ort. Die Verbrauchsdaten werden automatisch übermittelt. Somit entfällt auch die Akontorechnung, der Kunde erhält künftig quartalsweise eine «scharfe» Abrechnung seines Verbrauchs.
Für die Eichstelle ändert sich dadurch nichts: Denn auch intelligente Haushaltszähler müssen überprüft werden – damit die Verrechnung gegenüber den Kundinnen und Kunden stets mit rechten Dingen zu und her geht.

Stefan Schulthess arbeitet seit 2000 bei den EKZ und leitet seit dann die Eichstelle.