«NICHT IMMER IST DAS DRIN, WAS DRAUF STEHT»

«NICHT IMMER IST DAS DRIN, WAS DRAUF STEHT»

Bis Ende Januar 2018 unterstützen die EKZ ihre Kunden beim Kauf von effizienten LED-Wohnleuchten. Doch nicht überall, wo Energieeffizienz drauf steht, ist auch Energieeffizienz drin. Deshalb misst Patrik Janett im Leuchtenlabor an der HTW Chur nach.

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Wer eine neue Leuchte oder ein Leuchtmittel kaufen möchte, orientiert sich an den Angaben auf der Verpackung und an der Energieetikette. «Doch beide Angaben sind mit Vorsicht zu geniessen», weiss Patrik Janett aus Erfahrung. Pro Jahr misst der Elektroingenieur im Leuchtenlabor der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur 250 Leuchten und Leuchtmittel aus. Er tut dies im Auftrag von Dritten wie zum Beispiel dem Label Topten.ch oder den EKZ. Topten.ch wiederum wird von den grossen Lichtfachmärkten beauftragt.

Nicht alle nehmen es genau

Patrik Janett misst also nach und vergleicht mit den Angaben auf der Verpackung. Was auf die Verpackung kommt, definiert der Hersteller. Nicht immer stimmen die Angaben mit den Messungen aus dem Leuchtenlabor überein. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, wie Patrik Janett erklärt: «Es kann sein, dass der Hersteller zwar das deklariert, was er einbaut. Zum Beispiel eine LED mit 2000 Lumen, wobei Lumen die abgegebene Lichtmenge beschreibt. Vor die LED wird aber eine Blende montiert. Im Labor messe ich dann noch 1200 Lumen.» In anderen Fällen brauchen die Leuchten einfach mehr Energie als deklariert. Patrik Janett misst aber nicht nur nach, er ermittelt auch zusätzliche Werte. Denn auf der Energieetikette stehen nur die Effizienzklasse und der Verbrauch pro 1000 Stunden. «Zwei Leuchten der Effizienzklasse A++ sind aber nicht unbedingt gleich effizient. Mit den Messungen, die wir hier im Leuchtenlabor durchführen, können wir genauer unterscheiden.» Und das soll schliesslich auch den Konsumenten helfen.

Mit der Ulbrichtkugel werden an der HTW Chur Leuchtmittel auf ihre Lichtqualität und Energieeffizienz
Mit der Ulbrichtkugel werden an der HTW Chur Leuchtmittel auf ihre Lichtqualität und Energieeffizienz getestet.
Patrik Janett, Dozent und Projektleiter, HTW Chur
Patrik Janett, Dozent und Projektleiter, HTW Chur

Helligkeit und Effizienz

Die richtige Wahl zu treffen, überfordert viele. «Selbst für Fachleute ist es nicht immer einfach, den Durchblick zu haben», gibt Janett zu. Er rät deshalb, sich als Erstes auf die Lumenangabe zu konzentrieren. «Je mehr Lumen, umso heller die Lampe», erklärt der Lichtspezialist. «Aber noch wichtiger ist die Anzahl Lumen pro Watt, denn sie gibt an, wie effizient ein Produkt ist.» Also wie viel Lumen man mit einem Watt Anschlussleistung bekommt. Je grösser diese Zahl, umso effizienter die Lampe. «Leider fehlt diese Kennzahl oft auf der Verpackung», hat Janett festgestellt. Im Leuchtenlabor ermittelt er diese Zahl, nachschlagen kann man sie dann auf Topten.ch. Das Label listet die Werte auf, die Janett im Leuchtenlabor misst, und bewertet die Produkte anhand dieser Werte. Nur die besten respektive die effizientesten Produkte schaffen es auf die Liste von Topten.ch. Für Wohnleuchten gelten folgende Anforderungen: Die Leuchten müssen mindestens 200 Lumen abgeben und einen Effizienzgrad von 50 Lumen pro Watt haben.

 

«Zwei Leuchten der Effizienzklasse A++ sind nicht unbedingt gleich effizient.» 

 

Atmosphäre und Natürlichkeit

Während ein Arbeitsraum gut ausgeleuchtet sein muss, soll das Wohnzimmer Gemütlichkeit und Wärme ausstrahlen. «Bei Wohnleuchten würde ich deshalb auf die Farbtemperatur, die in Kelvin ausgedrückt wird, achten.» Topten.ch empfiehlt für unsere Breitengrade ein warmweisses Licht, das einen Wert von 2700 bis 3500 Kelvin aufweist. Unabhängig von der Farbtemperatur gibt es den Farbwiedergabeindex, genannt Ra. Dieser gibt an, wie gut eine künstliche Lichtquelle die natürlichen Farben wiedergibt. «Perfekt wäre hier ein Wert von 100 Ra», sagt Patrik Janett. Um es auf die Liste von Topten.ch zu schaffen, müssen die Leuchten mindestens 80 Ra erreichen.

Achtung Stand-by!

Patrik Janett misst im Leuchtenlabor der HTW Chur auch, wie viel Watt die Leuchten brauchen, wenn sie ausgeschaltet oder im Stand-by-Modus sind. «Es gibt Leuchten, die das Netzteil im Leuchtenfuss versteckt haben. Schalte ich eine solche Leuchte aus, dann trenne ich sie nicht vom Netz. Das heisst, sie verbraucht weiterhin Strom – natürlich viel weniger, als wenn sie eingeschaltet ist. Mit der Zeit summiert sich das aber», erklärt Patrik Janett. Ähnlich verhält es sich bei Leuchten mit einem Steckernetzteil, mit einem Touch-Schalter oder -Dimmer. «Keinen Stand-by-Verbrauch haben Leuchten, die den Schalter im Kabel haben oder an einen Lichtschalter im Zimmer angeschlossen werden», so Janett. Um es auf die Liste von Topten.ch zu schaffen, darf die Stand-by-Leistung maximal ein halbes Watt betragen, bei Wohnleuchten mit integriertem Dimmer maximal ein Watt.  

Im allgemeinen Sprachgebrauch sagt man «eine Glühbirne oder LED in eine Lampe schrauben». Im Fachjargon hingegen bezeichnet man nur das Leuchtmittel als Lampe (z.B. Glühlampe, LED-Lampe). Und man spricht von Wohnleuchten statt Wohnlampen.
Es gibt auch Leuchten, die das LED-Leuchtmittel eingebaut haben. Wenn die LED das Ende ihrer Lebensdauer (etwa 20 Jahre) erreicht hat, muss die ganze Leuchte ersetzt werden.

Im Leuchtenlabor der HTW Chur werden pro Jahr rund 250 Leuchten normgerecht gemessen und auf ihre Energieeffizienz und Lichtverteilung hin überprüft.
Das Leuchtenlabor gehört zu den Swiss Alpine Laboratories for Testing of Energy Efficiency (S.A.L.T.). Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) sind Partner von S.A.L.T.