Historische Reppischbrücke geht auf Sanierungsreise

Historische Reppischbrücke geht auf Sanierungsreise

Die Brücke über der Reppischmündung bei Dietikon hat schon bessere Tage gesehen. Statt sie einfach abzureissen, lassen EKZ und der Kanton die Brücke nun fachmännisch sanieren.

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Tief eingefressener Rost, abblätternde Farbe und rissige Holzlatten: Die Reppisch-Brücke bei Dietikon, die das Reppischufer mit der EKZ Insel verbindet, war in einem schlechten Zustand. Statiker empfahlen 2013 darum, sie abzureissen. Doch die filigrane Bogenfachwerk-Konstruktion wurde von der kantonalen Denkmalpflege als schützenswertes Bauwerk eingestuft. So beschlossen EKZ und das Tiefbauamt des Kantons Zürich, die Brücke vollumfänglich sanieren zu lassen. Dazu musste sie aus der Verankerung gehoben und in ein auf Stahlbau spezialisiertes Werk transportiert werden.

Mit einer einfachen Stockwinde wird die Verschweissung gelöst

Am Morgen des 13. Juni 2018 war es so weit: Nach etwas mehr als einer Stunde Vorarbeiten zog der schwere Pneukran der Firma Fanger die angebrachten Gurten vorsichtig an und hob die Brücke langsam in die Luft. Geräuschlos schwebte die Eisenkonstruktion darauf quer über die Reppisch und wurde auf einem langen Tieflader abgesetzt.

«Die Brücke war nur auf einer Seite fest verschweisst.»

«Das war eine schnelle Sache», sagte der Bauleiter der Firma Schneider Stahlbau. «Die Brücke lag auf einer Seite einfach auf, damit sie sich bei Erwärmung ausdehnen konnte, nur auf der anderen war sie fest verschweisst.» Zum Lösen dieser Verschweissung setzten die Arbeiter eine Stockwinde ein. Zuvor hatten noch einige Bretter zersägt und die Ketten und Gurten angebracht werden müssen.

13. Juni 2018, morgens vor 8 Uhr: Die Fachwerkbrücke zwischen EKZ Insel und Reppisch-Ufer liegt noch in ihrer Verankerung. Der Pneukran und die Sattelzugmaschine samt Auflieger stehen aber schon bereit.
Zuerst müssen die Arbeiter noch mehrere Holzlatten zersägen.
Danach kommt auf der anderen Seite die Stockwinde zum Einsatz: Dort ist die Brücke mit dem Brückenkopf verschweisst – die einzige Befestigung.
Als nächstes werden die Ketten und Gurten eingeschlauft – und schon schwebt die Brücke.
Langsam und lautlos gleitet die neun Tonnen schwere Fachwerkkonstruktion über die Reppisch-Mündung in Richtung Auflieger.
Ein bisschen muss noch justiert werden, dann kann die über 100 Jahre alte Stahlbrücke auf dem Auflieger platziert und abtransportiert werden.
Ohne Brücke sieht die Reppisch-Mündung ganz anders aus.

Die wuchtigen Räder der Sattelzugmaschine drehen immer wieder durch

Etwas schwieriger gestaltete sich der Abtransport der neun Tonnen schweren Brücke. Auf dem rutschigen Kiesweg im engen Spickel zwischen Kanal und Reppisch rangierte der Lastwagen mehrfach hin- und her während die acht angetriebenen Räder der Sattelzugmaschine immer wieder durchdrehten.

«Wir haben schon ganz andere Sachen transportiert»

Dank der gelenkten Achsen des Fünffach-Aufliegers konnte der Chauffeur Lastwagen und Anhänger Schritt für Schritt in Position bringen und schliesslich auf die Strasse fahren. Danach sagte er unaufgeregt: «Wir sind uns das gewöhnt und haben schon ganz andere Sachen transportiert.»

Flicken, sandstrahlen und beschichten

Die Brücke ging noch am gleichen Tag auf Reisen – als begleiteter Spezialtransport. Die erste Station ist Schneider Stahlbau in Jona SG, wo die schadhaften Profile und Nieten ersetzt und verstärkt werden. Als zweites geht es nach Kriens LU zu Marty Korrosionsschutz. Dort wird die Fachwerkbrücke sandgestrahlt und erhält vier Schutzbeschichtungen. Klappt alles, soll sie Mitte Oktober 2018 wieder eingebaut werden.

Name: Reppischbrücke
Baujahr: 1895
Länge: 28.5 Meter
Breite: 2.1 Meter
Gewicht: Ca. 9 Tonnen
Konstruktion: Bogenfachwerk aus Stahl
Denkmalschutz: Gilt als «denkmalpflegerisch wertvolles Bauwerk»
Demontage: 13. Juni 2018
Geplanter Wiedereinbau: 19. Oktober 2018
Kran und Transport: Fanger AG, Sachseln
Sanierung: Schneider Stahlbau, Jona
Korrosionsschutz: Marty Korrosionsschutz, Kriens