Strompreisentwicklung – ein rätselhaftes Auf und Ab?

Strompreisentwicklung – ein rätselhaftes Auf und Ab?

Strompreise sind ein hochkomplexes Gebilde und werden beeinflusst von einer Vielzahl an Faktoren. Dadurch kann es im mittelfristigen Vergleich zu einem Auf und Ab in der Preiskurve kommen. Doch wie lassen sich diese Schwankungen erklären? Ein Blick auf die letzten Jahre gibt Aufschluss.

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Strom unterscheidet sich deutlich von gängigen Handelswaren. Es gibt nicht wie bei Weizen, Kaffee oder Bananen eine Ernte, die Schädlinge beeinflussen können, oder einen Transport über die Weltmeere, der sich verzögern kann. Unser Strom stammt zudem vor allem aus Kraftwerken und deren Produktion lässt sich in der Regel genau planen und steuern. Eine simple Ware also, deren Preisbildung einfach und überschaubar sein sollte.
Mit der Realität hat dieses Bild vom Stromhandel aber nicht viel gemein. Strompreise sind starken Schwankungen unterworfen, wie der Blick auf die Preisentwicklung im Stromgrosshandel der letzten Jahre eindrücklich beweist. Die Kurve zeigt, dass es innert weniger Monate zu Schwankungen von bis zu 15 Franken pro Megawattstunde (MWh) kommen kann.

Die Grafik zeigt die Preisentwicklung im Stromgrosshandel (Basis-Werte) zwischen Januar 2016 und Mai 2018.
Die Grafik zeigt die Preisentwicklung im Stromgrosshandel (CHF pro MWh) zwischen Januar 2016 und Mai 2018.
«Von Januar bis April 2016 sanken die Preise, weil damals ein Ausverkauf sämtlicher Rohstoffe, insbesondere Kohle und Öl, stattfand.»
«Von Januar bis April 2016 sanken die Preise, weil damals ein Ausverkauf sämtlicher Rohstoffe, insbesondere Kohle und Öl, stattfand.»

Kohle und Öl als grosse Einflussfaktoren

Daniel Richter, Leiter Energiebeschaffung bei den EKZ, kann erklären, was jeweils zum Einbruch oder Anstieg geführt hat: «Von Januar bis April 2016 sanken die Preise, weil damals ein Ausverkauf sämtlicher Rohstoffe, insbesondere Kohle und Öl, stattfand. Da der Marktpreis für diese Rohstoffe massiv gefallen war, rief das viele Spekulanten auf den Plan. Deren Hedgefonds brachten den Markt zusätzlich unter Druck.» Die Folge dieser Kombination von Spekulation und Ausverkauf: Niedrigere Beschaffungspreise und somit auch geringere Strompreise für die Endverbraucher. Während sich die Preise ab April 2016 wieder normalisierten, verzeichneten sie ab Oktober 2016 einen extremen Anstieg. «Damals wurde die Ölförderung künstlich reduziert und in Frankreich gingen wegen eines festgestellten Herstellungsfehlers bei Reaktorbehältern 15 Kernkraftwerke zeitgleich vom Netz», sagt Richter. Verschärfend hinzu kam der Zeitpunkt: So kurz vor Anbruch der Wintersaison, in der jeweils am meisten Strom benötigt wird, habe diese Ausgangslage Panik verursacht. In der Schweiz wurden laut Richter diese Effekte durch die Tatsache verstärkt, dass das Kernkraftwerk Leibstadt vom Netz genommen wurde und relativ wenig Wasser zur Verfügung stand, welches über die Wasserkraftwerke hätte turbiniert werden können.

Mit dem bevorstehenden Ende des Winters beruhigte sich die Situation ab Februar 2017. Seit April 2017 ist jedoch wieder ein stetiger Anstieg der Beschaffungspreise zu verzeichnen, wie die Kurve zeigt. «Da kommen die Rohstoffpreise wieder ins Spiel», sagt Richter. «Der Anstieg des Kohlepreises verläuft nahezu identisch mit dem des Strompreises. Hinzu kommt ein massiver Preisanstieg beim Handel mit CO2-Emissionen, der ein historisches Hoch von etwa 14 Euro pro Tonne verzeichnen konnte. Und was man nicht vergessen darf: Der Euro ist seit dem Frankenabsturz im Sommer 2017 stetig stärker geworden.»
Einfluss auf die Preisbildung des Stroms habe aber auch das aktuelle weltpolitische Geschehen. Die eher instabile Lage in den USA etwa verunsichere die Anleger. Die derzeitigen Prognosen gehen laut Richter darum davon aus, dass der Aufwärtstrend bei den Strompreisen auch mittelfristig anhalten wird.

Strombeschaffung im Grosshandel erfordert viel Know-how

Eine vorausschauende Beschaffungspolitik hilft dabei, die Kosten im Griff zu behalten. Denn die Stromtarife für die Verbraucher ergeben sich aus der Art und Weise, wie die jeweiligen Energieversorger agieren. Die EKZ produzieren nur einen geringen Anteil des Strombedarfs im Versorgungsgebiet selbst. Der grösste Teil wird an der internationalen Börse beschafft. Dabei betreiben die Experten der EKZ Beschaffungsoptimierung im Interesse ihrer Kunden:
Eingekauft wird der Strom beim günstigsten Anbieter und das zum jeweils bestmöglichen Zeitpunkt. Dazu ist viel Know-how nötig, um die Schwankungen der Grosshandelspreise richtig vorherzusehen. Nicht immer lassen sich diese jedoch exakt kalkulieren. Einflussfaktoren, die sich zum Teil berechnen lassen, sind etwa das Lastniveau, die Kraftwerksverfügbarkeit (sowohl bei den konventionellen als auch den erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Wasser), die Auslastung der Grenzkapazitäten, die Brennstoff- und CO2-Emissionshandelspreise an den internationalen Märkten sowie die Nachfrageentwicklung in Europa.
Sowohl in Bezug auf die Verbrauchsmengen als auch die Kundentarife wird der Strompreis bei den EKZ jedoch über mehrere Jahre hinweg abgesichert. Bei der aktuellen Marktlage ist dies ein grosser Vorteil für die Kunden, welche so über längere Zeiträume hinweg von günstigen Tarifen profitieren – trotz steigender Preise an den internationalen Märkten.

Haben Sie Fragen zur Strompreisentwicklung bzw. der Energiebeschaffung? Oder sind Sie an einem Angebot für Energiedienstleistungen der EKZ interessiert? Unsere Berater vom EKZ Account Management helfen Ihnen gerne weiter.
Telefon: 058 359 57 57
E-Mail: account-management@ekz.ch