Im Verteilgebiet der EKZ geht die 4000. Photovoltaikanlage ans Netz. Welchen Einfluss diese Anlagen aufs Netz haben und wo die EKZ auf dem Weg in die Energiezukunft stehen - das erklärt Karl Resch, Leiter Regulierungsmanagement bei den EKZ.

Nun geht bei den EKZ die 4000. Photovoltaik-Anlage ans Netz. Wie ist diese Zahl einzuordnen?
Karl Resch: Bezogen auf den Absatz an die Endverbraucher produzieren diese 4000 Anlagen im EKZ Gebiet etwa 2 Prozent des Stroms. So gesehen ist die Zahl natürlich relativ klein. Wenn man aber die Entwicklung der letzten fünf Jahre betrachtet, ist es dennoch eindrücklich: Seit da hat sich die Anzahl der PV-Anlagen vervierfacht. Der Zubau war über die letzten Jahre also erheblich, insbesondere im Einfamilienhausbereich.

Entsprach diese Entwicklung Ihren Erwartungen?
Ja, in meiner Prognose vor gut drei Jahren habe ich per 2018 mit etwa 4000 Anlagen gerechnet. Allerdings könnten es durchaus mehr sein. Die veränderten Rahmenbedingungen mit der wegfallenden Förderung haben sicherlich dazu beigetragen, dass nicht so viele Anlagen gebaut wurden wie es vielleicht möglich wäre.

Wo stehen die EKZ im Vergleich mit anderen Netzbetreibern?
Ein kantonales Register gibt es keines, somit ist ein Vergleich mit anderen Netzbetreibern schwierig. Schweizweit sind heute 68'000 PV-Anlagen in Betrieb. Hochgerechnet auf unsere Unternehmensgrösse liegen die EKZ mit ihren 4000 Anlagen im Schweizer Durchschnitt. Vergleichen wir uns aber mit Deutschland, liegen wir natürlich weitab. Dort ist die Förderung umgelegt auf die Allgemeinheit mit etwa 7 Rappen pro Kilowattstunde aber auch deutlich höher als bei uns in der Schweiz mit 1,5 Rappen im 2017 respektive 2,3 Rappen per 2018.

Wo stehen wir auf dem Weg in die Energiezukunft? Was sind die Zielsetzungen, die uns das revidierte Energiegesetz diktiert?
Von den Zielen des Bundes sind wir noch weit entfernt. Heute kommen etwa 1,3 Terawattstunden des gesamtschweizerischen Stroms aus Sonnenergie, das sind zwei Prozent. Wie schon erwähnt, liegt auch im Netz der EKZ die Stromproduktion aus PV-Anlagen bei zwei Prozent bezogen auf die Abgabe an die Endverbraucher. Da muss sich noch etwas tun. In der Energiestrategie hat der Bundesrat eine PV-Produktion von 4,4 Terawattstunden bis 2035 zum Ziel. Wollen wir die Ziele der Energiestrategie erreichen, brauchen wir bis 2035 also etwa 3,5-mal so viele PV-Anlagen am Netz wie heute. Das sollte allerdings machbar sein.

Man spricht ja stets davon, dass die dezentrale Produktion eine Herausforderung darstellt für die Netzstabilität. Was bedeuten nun 4000 Solaranlagen fürs EKZ Netz?
Heute machen die 4000 Anlagen gesamthaft noch keine Probleme. Lokal allerdings haben wir einzelne Niederspannungsnetze bereits verstärken müssen. In einzelnen Gebieten gibt es schon Trafos, die an sonnigen Tagen Energie ins Mittelspannungsnetz zurückspeisen. Das wird sich natürlich noch verstärken. Bei den EKZ laufen zahlreiche Projekte, die sich mit ebendiesen Herausforderungen beschäftigen. So wird beispielsweise der verstärkte Eigenverbrauch gefördert und der Verbrauch muss optimal auf die Produktion abgestimmt werden. Auch die lokale Speicherung des Stroms gewinnt an Gewicht. Ausserdem arbeiten wir intensiv am Netz der Zukunft, dem Smart Grid, in dem zum Beispiel grosse Batteriespeicher eine Rolle spielen.

Wohin geht die Reise? Welche Entwicklung ist zu erwarten?
Realistisch gerechnet erwarte ich bis 2020 etwa 7000 PV-Anlagen am Netz, also ein weiterhin zunehmendes Wachstum. Bis dahin werden wir auch schon einige Smart-Grid-Anwendungen umgesetzt haben.

Karl Resch ist seit Anfang 2009 Leiter Regulierungsmanagement und Netzwirtschaft bei den EKZ. Er ist in seiner Funktion zuständig für sämtliche Themen rund um die Netzkosten. Ausserdem steht er im engen Austausch mit dem BFE, dem VSE und der ElCom. Dabei geht es vornehmlich um Regulierungsfragen und Stellungnahmen zu Entwürfen von Gesetzen, Verordnungen und Branchendokumenten. Resch ist Elektroingenieur mit betriebswirtschaftlicher Zusatzausbildung.  

Besitzer der 4000. Anlage im Verteilnetz der EKZ ist Pietro Realini. Die Anlage ist auf dem Dach seines Einfamilienhaus-Neubaus in der Nähe von Dübendorf installiert. «Als wir das Haus gebaut haben, hatten wir die Solaranlage bereits im Hinterkopf», erzählt Pietro Realini, der sich auch beruflich als Leiter Produktion und Logistik bei Zweifel Chips mit Energiefragen auseinandersetzt. «Effektiv umgesetzt haben wir sie dann etwas später, mit etwas Abstand und Ruhe zum intensiven Hausbau», sagt Pietro Realini. Dass die Solaranlage erst installiert wurde, als das Haus schon stand, war kein Problem, denn die Leerrohre hatten sie schon beim Bau verlegen lassen. «Sie passt perfekt zu unserem Hauskonzept mit Solarthermie und Wärmepumpe. Dank der Solaranlage werden wir noch ein Stück weit unabhängiger als bisher.» 

Obwohl Pietro Realinis Anlage erst seit Kurzem in Betrieb ist, zeigt er sich überzeugt, dass sie einen Einfluss auf den Alltag haben wird: «Wir können über das einfachSolar Portal nicht nur verfolgen, wann wie viel Strom produziert wird, sondern auch wie viel davon wir selbst verbrauchen. Das spornt uns natürlich an, den Eigenverbrauch zu optimieren.»  

Pietro Realini