Claudio Pfister ist einer der wichtigsten Botschafter der Elektromobilität in der Schweiz. Er leitet die Fachgesellschaft «e’mobile», fährt einen Occasions-Tesla und weibelt für die Elektromobilität, wo er nur kann. Wir haben ihn am Autosalon in Genf getroffen.

Claudio Pfister, wenn man hier am Autosalon die Runde macht, springen einem die Elektrofahrzeuge nicht gerade ins Auge. Elektromobilität scheint bei den Herstellern nicht an erster Stelle zu stehen?

Die Automobilindustrie kommt über kurz oder lang gar nicht an der Elektromobilität vorbei. Nehmen Sie zum Beispiel die Zielvorgaben aus China: Jeder, der ab 2019 in China Autos verkaufen will, muss mindestens 12 Prozent elektrisch anbieten. Da China ein enorm grosser Markt ist, wird kein Hersteller auf E-Mobilität verzichten. Die Elektromobilität kommt – ob die Industrie nun will oder nicht.

Dennoch scheint es, als ob viele Hersteller die E-Mobilität nicht sehr aktiv vorantreiben würden. Woran liegt das?

Es ist tatsächlich ein schwerfälliger Prozess. Die mächtige Automobilindustrie und die Erdölindustrie haben eigentlich gar kein Interesse an Elektromobilität. Erstere lebt vom regelmässigen Service an ihren Fahrzeugen und Letztere vom Verbrauch von Treibstoff und Schmiermittel. Elektrofahrzeuge sind viel weniger komplex als ihre Pendants mit Verbrenner. Ein Elektromotor braucht viel weniger Wartung – und natürlich auch keine Brennstoffe. Die Elektromobilität bedroht also etablierte Geschäftsmodelle. Da ist es verständlich, dass nicht jeder gleich auf den E-Zug aufspringt.

«E-Mobilität kommt, ob die Industrie nun will oder nicht», sagt Claudio Pfister von «e'mobile»

Was ist für Sie persönlich das wichtigste Argument für Elektromobilität?

«Zero emission at location of use»: Dort, wo Elektromobilität eingesetzt wird, gibt es keine Emissionen. In den Städten bewegen sich besonders viele Menschen. Es sind also viele atmende Lungen unterwegs. Gleichzeitig wird in den Städten auch die Mobilität besonders intensiv genutzt. Es ist eigentlich absurd, dass wir auch heute noch mit kleinen Kohlekraftwerken durch die Städte fahren, obwohl wir wissen, wie schädlich es ist.

Das Auto ist ein emotionales Thema. Das merkt man, wenn man die Ausstellung hier in Genf anschaut. Die Fahrzeuge sind auf Hochglanz poliert, sie funkeln und glitzern. Fehlt der Elektromobilität dieser Glamour?

Nein, nicht im Geringsten. Und da will ich gar nicht gross argumentieren. Ich sage nur: einsteigen und erleben – dann wissen Sie Bescheid.

Erzählen Sie es uns trotzdem. Sie fahren selbst Elektroauto. Wie fährt es sich elektrisch?

Ich habe selbst als Ingenieur für die Automobilindustrie gearbeitet und fahre sehr gerne Auto. Seit einem Jahr fahre ich nun einen Occasions-Tesla. Kaum Geräusche, keine Vibrationen. Und ich fahre auch vorausschauender. Denn wer elektrisch fährt, nutzt praktisch nur noch ein Pedal. Sobald ich das Elektropedal loslasse, rekuperiert das Auto – durch die elektrische «Motorbremse» wird die kinetische Energie des fahrenden Autos in die Batterie geladen – und erweitert so die Reichweite. Für mich ist das elektrische Fahren zu einem neuen Genuss geworden.

e’mobile ist seit 2016 eine Fachgesellschaft von Electrosuisse. Als technologie- und markenneutrale Fachstelle für effiziente Fahrzeuge wie Elektro-, Hybrid- und Erdgas/Biogas-Autos in der Schweiz engagiert sich e'mobile seit 1980 in der ganzen Schweiz für die Markteinführung von verbrauchs- und emissionsarmen Strassenfahrzeugen wie Elektro-, Hybrid- und Erdgas-/Biogasfahrzeugen sowie von Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen. Dank ihrer Drehscheibenfunktion trägt e'mobile dazu bei, dass Autogewerbe, Infrastrukturanbieter, Energieversorger und Behörden enger zusammenarbeiten.