Wer sein Elektrofahrzeug mit eigenem Solarstrom laden will, muss einige Dinge beachten. Der EKZ-Energieberater Hardy Schröder weiss, worauf es ankommt und welche Fragen den Leuten am meisten unter den Nägeln brennen.

Herr Schröder, wie sehr beschäftigt die Leute das Thema Solarenergie und Elektromobilität?

Hardy Schröder: In meinen Beratungen ist das Thema Solarenergie sehr präsent. Die Leute möchten wissen, wie sie Solarstrom besser nutzen können. Bei der Elektromobilität ist man etwas zurückhaltender, aber das Interesse hat auch dort in letzter Zeit spürbar zugenommen.

Was sind die Gründe für die Zurückhaltung?

Die Reichweite ist stets ein grosses Thema, wenn es um Elektromobilität geht. Dabei genügt die Reichweite heutiger Elektroautos für den gewöhnlichen Pendelverkehr – das sind durchschnittlich knapp 40 Kilometer – problemlos aus. Nur messen Herr und Frau Schweizer die Kapazität ihres Autos daran, dass man damit auch ein oder zwei Mal im Jahr in die Ferien fahren kann. Dazu braucht es natürlich eine angemessene Ladeinfrastruktur. In den kommenden fünf Jahren soll an den Nationalstrassen der Schweiz alle 50 Kilometer eine Ladestation installiert werden. Damit ist dann auch die Problematik des Fernverkehrs gelöst. Hinzu kommt: Die Elektroautos der neusten Generation wie der Renault ZOE oder der VW Golf ID können mit einer Ladung problemlos 400 Kilometer zurücklegen. Die bisherige Zurückhaltung hat aber auch noch einen anderen Grund.

Und der wäre?

Der Preis. Bis anhin kostete ein Elektrofahrzeug etwa zwanzig Prozent mehr als ein gewöhnliches Auto. In den nächsten zwei bis drei Jahren sollte jedoch Preisparität erreicht werden. Längerfristig betrachtet ist aber schon heute ein Elektrofahrzeug günstiger: Es verbraucht nur etwa einen Drittel der Energie eines herkömmlichen Fahrzeugs, verursacht deutlich weniger Unterhaltskosten, und im Moment muss man dafür auch noch in den meisten Kantonen keine Strassenverkehrsabgaben leisten.

90% aller Ladevorgänge finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt.
36,8 Kilometer legt die Schweizer Bevölkerung im Schnitt pro Tag zurück.
5,7 Kilowattstunden braucht es für 36,8 Kilometer.

Was raten Sie, wenn jemand sein Elektrofahrzeug zu Hause neu mit Solarstrom laden möchte?

Grundsätzlich gilt: Wer ein Elektrofahrzeug fährt, sollte auch ein nachhaltiges Stromprodukt dafür wählen. Das Fahrzeug mit Solarstrom zu laden, ist deshalb sicher sinnvoll. Zuerst müssen jedoch einige Fragen geklärt werden: Eignet sich mein Dach für eine Photovoltaikanlage? Hat es die richtige Ausrichtung? Wie viele Kilometer fahre ich normalerweise mit meinem Auto und wie oft lade ich es zu Hause? Genau zu diesem Zweck bieten wir unsere Beratungen an. Gerade in Mehrfamilienhäusern kommt es in Bezug auf Elektromobilität schnell einmal zu Unstimmigkeiten. Ein frühes Gespräch hilft, Zweifel aus der Welt zu schaffen und eine für alle Beteiligten geeignete und wirtschaftliche Lösung auszuarbeiten. Die Energieberatung der EKZ wird unabhängig und neutral durchgeführt.

Wie sollte man vorgehen, wenn man bereits eine Photovoltaikanlage besitzt und diese später allenfalls fürs Elektroauto nutzen möchte?

Diese Situation ist ein wenig komplexer, da der genaue Stromverbrauch des künftigen e-Fahrzeug unklar ist. Es sollten weder zu wenige noch zu viele Photovoltaikmodule eingeplant werden: Jedes e-Fahrzeug braucht eine Mindestladeleistung, selbst wenn man es täglich nur eine Viertelstunde auflädt. Gleichzeitig sollte man möglichst nur so viel Strom produzieren, wie man auch selbst nutzen kann. Wichtig ist ausserdem eine intelligente Steuerung, die den Eigenverbrauch hoch hält. Da die sogenannte Wall Box heute oft mit dem Elektrofahrzeug zusammen verkauft wird, ist es wichtig abzuklären, ob sich die Wallbox auch für Ladungen mit einer intelligenten Steuereung eignet. Und nicht zuletzt: Solarstrom wird nicht unbedingt dann produziert, wenn wir ihn üblicherweise am meisten benötigen. Wir alle sind bei schönem Wetter lieber in der Badi als zu Hause am Staubsaugen. Deshalb bedeutet eine effiziente Nutzung auch, dass man sich etwas an der Nase nimmt und das Auto wirklich möglichst oft dann lädt, wenn die Sonne scheint. Sonst nützt die beste Technik nichts.

Hardy Schröder ist Energieberater und «Stromdetektiv» bei EKZ. In dieser Funktion unterstützt der eidg. dipl. Elektroinstallateur und Energieberater unsere Kunden im Thema Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien. Er engagiert sich auch in verschiedenen Fachgremien und ist im Vorstand des nationalen Verbands Swiss eMobility.

EKZ sehen sich nicht nur als Energieversorger, sondern auch als Dienstleister. Dazu gehört die Beratung im Bereich CO2-Reduktion. EKZ unterstützt die Umsetzung der Energiestrategie.

Die Mobilitätsstrategie des Bundes sieht für 2022 vor, dass 15 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch betrieben werden. Heute liegt der Anteil von Elektroautos etwa bei 4 Prozent.
Zum Vergleich: Im Vorreiterland Norwegen erreichte die Zahl der Neuzulassung für Elektroautos kürzlich einen Monatsspitzenwert von 73 Prozent.