Wenn das Netz mitdenkt

Wenn das Netz mitdenkt

Smart Grid ist nur etwas für Ingenieure? Das war einmal. Im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 wird das intelligente Stromnetz auch in der breiten ­Öffentlichkeit diskutiert. Michael Koller, Leiter Technologiemanagement bei EKZ erklärt, was es mit dem smarten Netz auf sich hat.

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Michael Koller, was ist – kurz erklärt – ein Smart Grid?

Smart Grid ist der Überbegriff dafür, wie wir in Zukunft Strom verteilen. Das heutige Verteilnetz ist passiv. Es ist so gebaut, dass es ohne Eingriff funktioniert. Zu jedem Zeitpunkt muss das Netz die Leistung aller Produzenten aufnehmen und sie für jeden Verbraucher bereitstellen können. Ein intelligentes Verteilnetz – ein Smart Grid – ist ein aktives Netz, sodass man im Bedarfsfall zum Beispiel die Solaranlagen runterregeln oder Verbraucher zuschalten kann. Verbraucher und Erzeuger werden so gesteuert, dass das Netz immer optimal belastet wird.

«In einem Smart Grid weiss die E-Ladestation, wann sie das Auto laden muss, um das Netz nicht zu überlasten.»

Smart Grid heisst also mehr Computer im Netz?

Sagen wir: mehr Intelligenz. In einem Smart Grid weiss die E-Ladestation, wann sie das Auto laden muss, um das Netz nicht zu überlasten und um dem Kunden möglichst geringe Kosten zu verursachen. Der Warmwasserboiler und die Wärmepumpe laufen automatisch dann, wenn die Solaranlage auf dem Hausdach besonders viel Strom produziert. Diese intelligente Steuerung von Verbrauchern und Erzeugern ist ein zentraler Teil des Smart Grid. Daran – und auch daran, wie die dafür nötigen Daten übertragen werden – arbeiten wir derzeit intensiv.

Was uns zum Datenschutz bringt. Dank Smart Grid weiss EKZ künftig ganz genau, wie viel Strom ich zu welchem Zeitpunkt verbrauche. Schliesslich habe ich einen Smart Meter. Muss ich mir Sorgen um meine Daten machen?

Nein. Für ein Smart Grid sind Daten zwar zentral. Kundenbezogene Daten werten wir aber nur mit expliziter Zustimmung der Betroffenen aus. Interessant sind für uns vor allem die Daten von ganzen Netzknotenpunkten. Aber selbstverständlich: Die Daten der Smart Meter sind kundenbezogen. Entsprechend hoch sind unsere Ansprüche und Anstrengungen dafür, dass die Vorgaben des Datenschutzes erfüllt werden.

Wieso braucht es überhaupt ein Smart Grid? Die Strom-versorgung funktioniert heute ja auch ohne. Müssen wir wirklich das ganze Netz über den ­Haufen werfen?

Das müssen wir nicht. Und wir tun es auch nur dort, wo nötig. Wir wollen die Versorgungssicherheit hoch und die Kosten für das Netz tief halten. Wenn das Netz an einem Knotenpunkt an seine Leistungsgrenze stösst, entscheiden wir, ob wir klassisch ausbauen – also beispielsweise die Leitungen und Trafos verstärken – oder ob es einen smarten Ansatz gibt. Mit der Energiestrategie 2050 wird die dezentrale Stromproduktion weiter zulegen. Je mehr dezentrale Solaranlagen, Wärmepumpen und E-Ladestationen es an einem Anschlusspunkt gibt, desto interessanter werden Smart-Grid-Ansätze. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass wir alte Leitungen rausreissen und sie durch smarte Kabel ersetzen. Es ist ein gradueller Wandel.

Was bringt ein Smart Grid dem Stromkonsumenten konkret?

Das Schweizer Stimmvolk will das Energiesystem umbauen. Das hat es bei der Abstimmung über das neue Energiegesetz zum Ausdruck gebracht. Wir setzen diesen Willen um. Denn Smart Grid begünstigt diesen Umbau und hilft, ihn kosteneffizienter zu machen. Darüber hinaus kann das Smart Grid dem Konsumenten auch helfen, seinen eigenen Energieverbrauch transparent zu machen – sofern er das möchte. 

Wo ist das Netz von EKZ schon smart? Wo nicht?

Wir beschäftigen zumindest sehr smarte Netzingenieure (lacht). Im Ernst: Wir sind auf dem Weg zum Smart Grid. Wie haben bereits viel gemacht, um die Überwachung und Steuerung unseres Netzes zu verbessern. Derzeit beschränkt sich das aber im Wesentlichen auf unsere grossen Knotenpunkte – also die Unterwerke. Aber auch in den Haushalten hat sich bereits einiges getan: Gut ein Drittel unserer Stromzähler sind Smart Meter. Immer mehr Kunden installieren eigene Solaranlagen und optimieren mit einer intelligenten Steuerung ihren Eigenverbrauch. Auch das ist ein Smart-Grid-Ansatz.

Reden wir über Geld: Was kostet das Smart Grid von EKZ?

Im Grundsatz soll uns das Smart Grid Geld sparen. Denn wir machen es nur dort, wo es ökonomisch sinnvoll ist – also gegenüber dem klassischen Netzausbau Vorteile bringt. Insgesamt investieren wir jedes Jahr rund 60 Millionen Franken in Unterhalt und Ausbau unseres Netzes.