Strompreise – viel Bewegung im Markt

Strompreise – viel Bewegung im Markt

Kaum ein handelbares Produkt ist so komplex wie der Strom. Anfang 2016 war sein Preis so tief wie selten. Im 2017 ging es dann nur noch nach oben. Was dahinter steckt, erfahren Sie hier.

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Strom unterscheidet sich deutlich von gängigen Handelswaren. Es gibt nicht wie bei Weizen, Kaffee oder Bananen eine Ernte, die durch Schädlinge beeinflusst werden, oder einen Transport über die Weltmeere, der sich verzögern kann. Unser Strom stammt zudem vor allem aus Kraftwerken und deren Produktion lässt sich in der Regel genau planen und steuern. Eine simple Ware also, deren Preisbildung einfach und überschaubar sein sollte.

Mit der Realität hat dieses Bild vom Stromhandel aber nicht viel gemein. Strompreise sind starken Schwankungen unterworfen, wie der Blick auf die Preisentwicklung im Stromgrosshandel der letzten Jahre eindrücklich beweist. Die Kurve zeigt, dass es innert weniger Monate zu Schwankungen von bis zu 15 Franken pro Megawattstunde (MWh) kommen kann.

Die Grafik zeigt die Preisentwicklungskurve im Stromgrosshandel (Basis-Werte) zwischen Januar 2016 und März 2020.

Gas, Kohle und CO2 beeinflussen die Strompreise

EKZ beschafft in der Regel 3 Jahre vor Belieferung den Strom für ihre Kunden an den Grosshandelsmärkten. Schaut man sich rückwirkend die Entwicklungen für das Lieferjahr 2020 an (beschafft wurde in den Jahren 2016–2019), so war sehr viel Bewegung im Markt. Die Preisfindung für den physischen Strom ist recht komplex. Anfang 2016 sahen wir historisch tiefe Strompreise (ca. 26 CHF/MWH). Sehr hohe Lagerbestände insbesondere an Öl und Kohle drückten auf den Preis. Die Preise wären vermutlich nie so tief gefallen, gäbe es nicht viele Spekulanten auf dem Markt, die für einen weiteren Verfall gesorgt haben. Oft erholen sich nach Extremereignissen die Märkte relativ schnell. Das Angebot wurde reduziert (es war zum Beispiel nicht mehr rentabel, Öl und Kohle zu fördern) und somit stiegen die Preise. Das restliche Jahr 2016 verlief mehr oder weniger seitwärts mit recht hohen Ausschlägen. Zum Beispiel fielen im November 2016 in Frankreich 15 Kernkraftwerke aus, was zu einer massiven Angebotsverknappung führte.

Das Jahr 2017 kannte nur eine Bewegung: nach oben. Die Preise für den Strom waren rein fundamental getrieben. Ein Beispiel? Kraftwerkskohle stieg von 59 $/t auf 90 $/t. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. In Asien (insbesondere China) wurde kaum heimische Kohle abgebaut, es wurde deutlich mehr importiert. Trockenheit und dadurch weniger Hydroverfügbarkeit liess zudem die Preise steigen. Die ersten Monate im Jahr 2018 verliefen dann eher seitwärts. Mitte 2018 gingen dann abermals die Preise stark nach oben. Warum? Zum einen wurde der Kohleausstieg in Deutschland diskutiert und somit zeichnete sich eine Angebotsverknappung ab, zum anderen beeinflusst auch die Diskussion rund um den Brexit den Preis. Das Thema Kohleaussteig liess extrem schnell die Gaspreise steigen (Fuel Switch von Kohle zu Gas) und der Brexit sowie andere politische Diskussionen (Mindestpreis CO2) liessen den CO2-Preis sehr schnell steigen (6 €/t auf 24 €/t).

Kaum ein handelbares Produkt ist so komplex zu bepreisen wie der Strompreis.
 
Zentrale Einflussfaktoren
  • Politische Rahmenbedingungen bzw. kurzfristige Änderungen der Politik
  • Weltkonjunktur
  • Einflüsse der Commodities Gas, Kohle, CO2 und Öl, welche abhängig von der gesamten Weltwirtschaft sind
  • Frachtraten (Baltic Dry Index)
  • Wechselkurs (EUR/CHF, $/CHF)
  • Kraftwerksverfügbarkeiten in der Schweiz und der EU
  • Grenzkapazitäten (Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich)
  • Nachfrage in der Schweiz und der EU (insbesondere durch Temperatur, Wind und
    Solar)

Fokus Kundeninteresse

Eine vorausschauende Beschaffungspolitik hilft dabei, die Kosten im Griff zu behalten. Die Stromtarife für die Verbraucher ergeben sich auch aus der Art und Weise, wie die Energieversorger agieren. EKZ produziert nur einen geringen Anteil des Strombedarfs im Versorgungsgebiet selbst. Der grösste Teil wird an der internationalen Börse beschafft. Dabei betreiben die Experten von EKZ Beschaffungsoptimierung im Interesse ihrer Kunden.

Ausblick

Wir sehen die Märkte auch durch die schwächelnde Konjunktur auf dem aktuellen Level. Sehr gut gefüllte Gasspeicher und viel Hydro (Regen und Schnee) werden einen starken Preisanstieg in den nächsten 3–4 Monaten eher verhindern. Ende 2020/Anfang 2021 gehen wir wieder von leicht stei-genden Preisen aus, sofern mit einem «Norm-Winter» gerechnet werden kann (der Winter 2019/20 war bekanntlich viel zu warm, daher auch die hohen Lagerbestände).

Haben Sie Fragen zur Strompreisentwicklung bzw. der Energiebeschaffung? Oder sind Sie an einem Angebot für Stromlieferung interessiert? Unsere Berater vom EKZ Account Management helfen Ihnen gerne weiter.
Telefon: 058 359 57 57
E-Mail: account-management@ekz.ch