Innovative Lösungen für ein einmaliges Projekt

Seekabelersatz

Innovative Lösungen für ein einmaliges Projekt

Ein Projekt mit vielen Unbekannten war der Seekabelersatz zwischen Männedorf und Wädenswil. Am Ende ging alles reibungslos über die Bühne. Daniel Bucher, Leiter Geschäftsbereich Netze und Mitglied der Geschäftsleitung bei EKZ, über die Stolpersteine, 80-jährige Kabel und die Zukunft des Stromnetzes.

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EKZ ersetzte diesen Sommer das alte Seekabel zwischen Männedorf und Wädenswil durch ein neues. Weshalb?
Daniel Bucher: Das Kabel hat sein Lebensende erreicht. Der Sturm Burglind zeigte vor zwei Jahren die Dringlichkeit eines Ersatzes auf. Wir benötigen heute mehr Leistung und diese kann das 80-jährige Kabel nicht übertragen.

Daniel Bucher, Leiter Geschäftsbereich Netze und Mitglied der Geschäftsleitung bei EKZ, über die Stolpersteine, 80-jährige Kabel und die Zukunft des Stromnetzes.

Das Kabel dient zur Absicherung der Stromversorgung. Stehen da Aufwand und Ertrag in einem sinnvollen Verhältnis?
Bucher: Die Versorgungssicherheit im Netzgebiet der EKZ ist sehr hoch, deutlich über dem Schweizer Durchschnitt. Es ist unser gesetzlicher Auftrag, den Kanton Zürich sicher, wirtschaftlich und umweltgerecht mit Strom zu versorgen. Insofern ist es uns diese Investition sicher Wert. Wir investieren jährlich ca. 60 Millionen Franken in das EKZ-Verteilnetz, um unseren Kundinnen und Kunden eine möglichst hohe Versorgung zu bieten. Und das zu schweizweit äusserst tiefen Netznutzungstarifen.

Was waren die Herausforderungen in diesem Projekt?
Bucher: Weil das Projekt aussergewöhnlich ist, war das Expertenwissen in diesem Bereich überschaubar. Bereits die Submission für Material und Ausführung der Arbeiten war anspruchsvoll. Wir freuen uns, dass wir die Aufträge an äusserst erfahrene und kompetente Anbieter vergeben konnten, die eine reibungslose Bergung der alten und eine zügige Verlegung der neuen Kabel durchführten.

Wo lagen die grössten Stolpersteine?
Bucher: Die Bergung des alten Kabels war eine grosse Unbekannte, da wir nicht wussten, was uns auf dem Seegrund und mit einem derart alten Kabel genau erwartet. Auch die Verlegung des neuen Kabels verlangte nach innovativen Lösungen, da die Materialmenge für ein drei Kilometer langes, leistungsstarkes Aluminiumkabel natürlich enorm ist. Die Idee, die Zürichsee-Fähre zu mieten, war grossartig. So konnten wir alle drei Lastwagen und Bobinen zusammen auf der Fähre installieren und die Verlegung dadurch in einem einzigen Tag vollziehen. Das war eine super Leistung des ganzen Teams – und dazu sehr effizient und kostengünstig.

Was hat sich in 80 Jahren im Kabelbau verändert?
Bucher: Heute stehen für die Verlegung ganz andere Hilfsmittel zur Verfügung als damals. Auch die Kabel haben sich weiterentwickelt. Als Leiter verwenden wir bei diesem Projekt Aluminium statt Kupfer. Und die Isolation ist heute viel besser und vor allem frei von Öl. Die Kabel sind dadurch leichter, haben einen kleineren Durchmesser und können zudem noch eine viel grössere Leistung übertragen.

Was kommt im Netz in den nächsten 80 Jahren auf uns zu?
Bucher: Über 80 Jahre ist es schwierig, eine konkrete Aussage zu machen. In näherer Zukunft rechnen wir mit einem weiteren Wachstum unseres Stromnetzes, dies wegen der anhaltend hohen Bautätigkeit. Die von den Kunden geforderte Leistung wird steigen, dies wegen dem Zubau von dezentralen Einspeisern wie Photovoltaik, Elektromobilität, Wärmepumpen und Rechenzentren. Demgegenüber ist es so, dass es immer schwieriger wird, Standorte zu finden, auf denen wir die notwendiggen zusätzlichen Unterwerke und Trafostationen bauen können. Und ganz wichtig ist die Digitalisierung des Verteilnetzes. Unser Ziel ist ein intelligentes Netz, in welchem wir unter anderem Lastflüsse netzdienlich und dynamisch steuern können.

1940 hat EKZ zwei Mittelspannungskabel von Wädenswil nach Männedorf gelegt, um die Region am rechten Zürichseeufer vom Unterwerk Wädenswil aus mit Strom zu versorgen. Heute, fast 80 Jahre später, werden die alten Leitungen dem gestiegenen Strombedarf und den hohen Anforderungen an die Versorgungssicherheit nicht mehr gerecht: EKZ plant, die alten Haftmassekabel durch ein neues, leistungsstärkeres 16-kV-Seekabel zu ersetzen. Die Leitung durch den Zürichsee dient dabei der sogenannten redundanten Versorgung: So erhalten die Bewohner der Region Stäfa im Normalfall Strom vom Unterwerk Stäfa. Fällt dieses aus, kann die Region durch Umschalten unter anderem über das Seekabel von Wädenswil her versorgt werden. «Das redundante Netz ist ein wichtiges Instrument für die Versorgungssicherheit im Kanton Zürich», erklärt Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl und Projektleiter für die Seekabelbergung bei EKZ.

Anzahl alte Seekabel: 2
Alter: Aus dem Jahr 1940
Gewicht: je 48 Tonnen
Länge: je 3,3 Kilometer
Anzahl neue Seekabel: 1 (ein Bündel bestehend aus drei Einleiter-Mittelspannungs- und einem Kommunikationskabel)

Mitte Mai 2020: Spülbohrungen auf beiden Seiten
Anfang Juni 2020: Freilegen der Kabel auf beiden Seiten
Anfang Juli 2020: Entfernung und Entsorgung der alten Seekabel
Mitte August 2020: Lieferung und Verlegung des neuen Mittelspannungs- und des
Kommunikationskabels
Ende August 2020: Inbetriebnahme

Willy Stäubli Ing. AG mit Subunternehmer
Brugg Kabel AG