Der Elektropionier

Sie sind allgegenwärtig auf den Schweizer Strassen, die Elektrofahrzeuge der KYBURZ Switzerland AG, mit denen uns die Post ins Haus geliefert wird. Doch begonnen hat alles ganz anders. Ein Besuch bei einem Pionier in Freienstein.

Irene Wrabel
3. Juni 2021
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Fotos: Herbert Zimmermann

Auf dem Weg vom Besucherparkplatz zum Eingang kreuzt eine Katze unseren Weg. Ist das Kyburzine? Das Tigerli wird auf der Website des Unternehmens offiziell vorgestellt, zusammen mit einigen anderen Vierbeinern. Das sagt einiges über das Unternehmen, vor allem auch über den Gründer Martin Kyburz. Der nimmt die Besucher gleich selbst in Empfang, bietet Kaffee an und beginnt sofort zu erzählen. Über seine Fahrzeuge, seine Ideen und Visionen und die Entwicklung seiner Firma. Doch der Reihe nach.

Pionier der Elektromobilität

Seit 1996 ist die KYBURZ Switzerland AG in einer ehemaligen Spinnerei in Freienstein ansässig. Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen immer weiter auf dem Areal ausgebreitet. Im Eingangsbereich wird der Blick auf unterschiedliche Fahrzeuge gelenkt, die in einer Art  Ausstellungsraum gut ausgeleuchtet präsentiert werden. Eine professionelle Fotoleinwand steht auch bereit. «Die haben wir eingebaut, damit wir alle Fahrzeuge auch gleich vor Ort fotografieren können», erzählt Martin Kyburz. Da will einer nichts dem Zufall überlassen, denkt man bei sich. Wir durchqueren den Raum und stehen vor einem E-Zweirad mit einem beeindruckend grossen Lastenanhänger. Neben diesem Sattelzug steht ein Lastenvelo mit Wechselcontainer. Kyburz ist überzeugt: «Das ist die Zukunft der Warentransporte im städtischen Umfeld. Schmale, wendige Fahrzeuge, die grössere Lasten transportieren können und dabei keine Emissionen verursachen.» Denn was der Verkehr mit der Luft, die wir alle atmen, anstellen kann, hat der Unternehmer bei Besuchen in China gesehen. Doch er hat auch erlebt, wie sich mit der Verbreitung der Elektromobilität die Luftqualität Schritt für Schritt verbessert hat. Seitdem ist der 56-Jährige ein Fan dieser Antriebsart. Er glaubte von Anfang an daran, dass sich damit auch in der Schweiz viel bewegen lässt.

Auf dem Weg vom Besucherparkplatz zum Eingang kreuzt eine Katze unseren Weg. Ist das Kyburzine? Das Tigerli wird auf der Website des Unternehmens offiziell vorgestellt, zusammen mit einigen anderen Vierbeinern. Das sagt einiges über das Unternehmen, vor allem auch über den Gründer Martin Kyburz. Der nimmt die Besucher gleich selbst in Empfang, bietet Kaffee an und beginnt sofort zu erzählen. Über seine Fahrzeuge, seine Ideen und Visionen und die Entwicklung seiner Firma. Doch der Reihe nach.

Pionier der Elektromobilität

Seit 1996 ist die KYBURZ Switzerland AG in einer ehemaligen Spinnerei in Freienstein ansässig. Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen immer weiter auf dem Areal ausgebreitet. Im Eingangsbereich wird der Blick auf unterschiedliche Fahrzeuge gelenkt, die in einer Art  Ausstellungsraum gut ausgeleuchtet präsentiert werden. Eine professionelle Fotoleinwand steht auch bereit. «Die haben wir eingebaut, damit wir alle Fahrzeuge auch gleich vor Ort fotografieren können», erzählt Martin Kyburz. Da will einer nichts dem Zufall überlassen, denkt man bei sich. Wir durchqueren den Raum und stehen vor einem E-Zweirad mit einem beeindruckend grossen Lastenanhänger. Neben diesem Sattelzug steht ein Lastenvelo mit Wechselcontainer. Kyburz ist überzeugt: «Das ist die Zukunft der Warentransporte im städtischen Umfeld. Schmale, wendige Fahrzeuge, die grössere Lasten transportieren können und dabei keine Emissionen verursachen.» Denn was der Verkehr mit der Luft, die wir alle atmen, anstellen kann, hat der Unternehmer bei Besuchen in China gesehen. Doch er hat auch erlebt, wie sich mit der Verbreitung der Elektromobilität die Luftqualität Schritt für Schritt verbessert hat. Seitdem ist der 56-Jährige ein Fan dieser Antriebsart. Er glaubte von Anfang an daran, dass sich damit auch in der Schweiz viel bewegen lässt.

Alle kennen den DXP, das Fahrzeug, mit dem hierzulande die Post geliefert wird.
Akkus, das Herzstück der E-Mobilität, haben bei KYBURZ drei Leben.
Mit dem Energiespeicher PXM hat man die Stromerzeugung immer mit dabei.

Fahrzeuge für Senioren - und die Post

Martin Kyburz ist mehr als nur ein ins reale Leben gesprungener Daniel Düsentrieb, das zeigte er seinen Kritikern mit seinem nächsten Projekt. Auslöser dazu war ein Unfall seines Schwiegervaters. Der passionierte Golfspieler konnte wegen einer schweren Beinverletzung seiner Leidenschaft nicht mehr nachgehen. Das brachte Martin Kyburz auf die Idee, ein Mobil für Senioren zu bauen. Seine Motivation: «Ich wollte Senioren damit die Gelegenheit geben, ihren letzten Lebensabschnitt möglichst mobil und selbstbestimmt zu verbringen.» Bereits 1994 werden die ersten Seniorenfahrzeuge gebaut. Bis heute leisten die dreirädrigen Elektromobile von KYBURZ wertvolle Dienste für ältere oder beeinträchtigte
Menschen. Doch das Flaggschiff von KYBURZ sind die E-Fahrzeuge, die landauf, landab in der Schweiz die Post bringen. 2002 begann KYBURZ mit der Entwicklung der Postmobile, in enger Abstimmung mit der Schweizerischen Post, um deren Bedürfnisse möglichst genau abzubilden. Dass der Pöstler exakt vor der Haustür zum Stehen kommt und sich elegant vom Sattel schwingt, ist auch ein Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses. 2010 werden schliesslich die ersten Zustellfahrzeuge
des Modells DXP an die Schweizerische Post ausgeliefert. Seither sind sie ein Erfolgsmodell, rund
6000 DXP sind aktuell auf unseren Strassen im Einsatz. Doch auch in Deutschland, Finnland, Norwegen und Australien kommt an vielen Orten die Post mit KYBURZ-Fahrzeugen. 

Die Schlüseltechnologie für die E-Mobilität ist das Batterierecycling

Kreislaufwirtschaft voranbringen

 «Die Schlüsseltechnologie für die E-Mobilität ist das Batterierecycling», sagt Martin Kyburz. Aus dieser Überzeugung heraus wurde bei KYBURZ auch ein Verfahren entwickelt, um die Batterien nicht einfach zu entsorgen, sondern zu rezyklieren. Deshalb hat eine KYBURZ-Batterie nicht nur eines, sondern gleich drei Leben. Erst versorgt sie Neufahrzeuge mit Energie, dann kommt sie in den Second-Life-Fahrzeugen zum Einsatz, bevor sie ihr drittes Leben als Teil eines externen Energiespeichers verbringt. Diese werden für den mobilen Einsatz oder für Anwendungen im Haus hergestellt. Erst wenn diese drei Zyklen durchlaufen sind, wird die Batterie hausintern rezykliert. «So können wir 91 Prozent der Rohstoffe zurückgewinnen.»

Fahrzeuge für Senioren - und die Post

Martin Kyburz ist mehr als nur ein ins reale Leben gesprungener Daniel Düsentrieb, das zeigte er seinen Kritikern mit seinem nächsten Projekt. Auslöser dazu war ein Unfall seines Schwiegervaters. Der passionierte Golfspieler konnte wegen einer schweren Beinverletzung seiner Leidenschaft nicht mehr nachgehen. Das brachte Martin Kyburz auf die Idee, ein Mobil für Senioren zu bauen. Seine Motivation: «Ich wollte Senioren damit die Gelegenheit geben, ihren letzten Lebensabschnitt möglichst mobil und selbstbestimmt zu verbringen.» Bereits 1994 werden die ersten Seniorenfahrzeuge gebaut. Bis heute leisten die dreirädrigen Elektromobile von KYBURZ wertvolle Dienste für ältere oder beeinträchtigte
Menschen. Doch das Flaggschiff von KYBURZ sind die E-Fahrzeuge, die landauf, landab in der Schweiz die Post bringen. 2002 begann KYBURZ mit der Entwicklung der Postmobile, in enger Abstimmung mit der Schweizerischen Post, um deren Bedürfnisse möglichst genau abzubilden. Dass der Pöstler exakt vor der Haustür zum Stehen kommt und sich elegant vom Sattel schwingt, ist auch ein Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses. 2010 werden schliesslich die ersten Zustellfahrzeuge
des Modells DXP an die Schweizerische Post ausgeliefert. Seither sind sie ein Erfolgsmodell, rund
6000 DXP sind aktuell auf unseren Strassen im Einsatz. Doch auch in Deutschland, Finnland, Norwegen und Australien kommt an vielen Orten die Post mit KYBURZ-Fahrzeugen. 

Die Schlüseltechnologie für die E-Mobilität ist das Batterierecycling

Kreislaufwirtschaft voranbringen

 «Die Schlüsseltechnologie für die E-Mobilität ist das Batterierecycling», sagt Martin Kyburz. Aus dieser Überzeugung heraus wurde bei KYBURZ auch ein Verfahren entwickelt, um die Batterien nicht einfach zu entsorgen, sondern zu rezyklieren. Deshalb hat eine KYBURZ-Batterie nicht nur eines, sondern gleich drei Leben. Erst versorgt sie Neufahrzeuge mit Energie, dann kommt sie in den Second-Life-Fahrzeugen zum Einsatz, bevor sie ihr drittes Leben als Teil eines externen Energiespeichers verbringt. Diese werden für den mobilen Einsatz oder für Anwendungen im Haus hergestellt. Erst wenn diese drei Zyklen durchlaufen sind, wird die Batterie hausintern rezykliert. «So können wir 91 Prozent der Rohstoffe zurückgewinnen.»

Innovation made in Freienstein: Gebrauchte Akkus werden in ihre Einzelteile zerlegt und rezykliert.
Innovation made in Freienstein: Gebrauchte Akkus werden in ihre Einzelteile zerlegt und rezykliert.
Olivier Groux hat die Anlage zum Batterierecycling erfunden
Martin Kyburz verfolgt seine Vision von der E-Moblität seit 30 Jahren.

Die Kontrolle behalten

Das Unternehmen ist bis heute im Besitz seines Gründers. Martin Kyburz hat mittlerweile aber Anteile an seinen Bruder zur Sicherung der Nachfolge übergeben. Einen Anteil von 5 Prozent hat er zudem dem Chief Financial Officer überschrieben. Ein cleverer Schachzug. Externe Investoren gibt es nach wie vor nicht. «Das würde mir die Freiheit nehmen, das zu entwickeln, woran ich wirklich glaube.» Denn die Innovationsfreude des Gründers ist ungebrochen. Neue Projekte entstehen auch heute noch oftmals, weil er eine fixe Idee im Kopf hat. Und davon hat er viele, wie einer seiner Mitarbeitenden erzählt: «Er hat ständig neue Ideen. Wenn eine zum Leben erweckt ist, interessiert sie ihn schon nicht mehr. Dann wird gleich die nächste in Angriff genommen. » Der eRod, ein E-Sportfahrzeug, das 2016 auf den Markt kam, ist eine solche Spielerei. Verkauft wurden davon bis heute etwa 90 Exemplare. «Mit einer Spitzengeschwindigkeit von nur etwa 120 Stundenkilometern ist das natürlich keine Rakete. Aber es hat sich mittlerweile eine Fangemeinde gebildet, die sogar eRod-Rennen ausrichtet.» Martin Kyburz hat eben Freude an unkonventionellen Ideen. Aber vieles kommt auch auf Betreiben der Kunden zustande. Diese haben besondere Anliegen, die dann im Unternehmen entwickelt werden.


Wichtiger denn je: neue Ideen

Die Pandemie, die die ganze Welt seit über einem Jahr in Schach hält, hat auch bei KYBURZ ihre Spuren hinterlassen. Das Geschäft läuft zwar nach wie vor, aber es ist auch wichtig, sich regelmässig einem breiten Publikum präsentieren zu können. Der Genfer Autosalon ist dafür eine bedeutende Plattform. Doch im letzten Jahr wurde allen Autofans ein Strich durch die Rechnung gemacht. «Wir waren sozusagen bereits auf dem Weg nach Genf, als die Absage kam», erzählt Martin Kyburz. Einer wie er lässt sich davon aber nicht beeindrucken. «Wir haben daraufhin das Circular Economy Symposium ins Leben gerufen, das im September 2020 erstmals stattfand. In fünf Workshops zu ganz unterschiedlichen Themen haben wir das Thema Kreislaufwirtschaft erlebbar gemacht.» Martin Kyburz’ Innovationsfreude scheint auch nach so vielen Jahren ungebrochen. Doch welche Träume hat jemand, der schon so viel erreicht hat? Er schmunzelt. «Ich hätte gern eine Insel, auf der es nur Elektrofahrzeuge gibt. Und davon auch nur so viele, wie es tatsächlich braucht.» Auf der Strasse fährt wie zur Bekräftigung ein älterer Herr auf seinem feuerroten KYBURZ-Dreirad, Modell DX2 vorbei. Dass es sich lohnt, an seinen Visionen festzuhalten, hat Martin Kyburz in den letzten drei Jahrzehnten bewiesen. Also warum nicht auch eine Insel der E-Mobilität?

Die Kontrolle behalten

Das Unternehmen ist bis heute im Besitz seines Gründers. Martin Kyburz hat mittlerweile aber Anteile an seinen Bruder zur Sicherung der Nachfolge übergeben. Einen Anteil von 5 Prozent hat er zudem dem Chief Financial Officer überschrieben. Ein cleverer Schachzug. Externe Investoren gibt es nach wie vor nicht. «Das würde mir die Freiheit nehmen, das zu entwickeln, woran ich wirklich glaube.» Denn die Innovationsfreude des Gründers ist ungebrochen. Neue Projekte entstehen auch heute noch oftmals, weil er eine fixe Idee im Kopf hat. Und davon hat er viele, wie einer seiner Mitarbeitenden erzählt: «Er hat ständig neue Ideen. Wenn eine zum Leben erweckt ist, interessiert sie ihn schon nicht mehr. Dann wird gleich die nächste in Angriff genommen. » Der eRod, ein E-Sportfahrzeug, das 2016 auf den Markt kam, ist eine solche Spielerei. Verkauft wurden davon bis heute etwa 90 Exemplare. «Mit einer Spitzengeschwindigkeit von nur etwa 120 Stundenkilometern ist das natürlich keine Rakete. Aber es hat sich mittlerweile eine Fangemeinde gebildet, die sogar eRod-Rennen ausrichtet.» Martin Kyburz hat eben Freude an unkonventionellen Ideen. Aber vieles kommt auch auf Betreiben der Kunden zustande. Diese haben besondere Anliegen, die dann im Unternehmen entwickelt werden.


Wichtiger denn je: neue Ideen

Die Pandemie, die die ganze Welt seit über einem Jahr in Schach hält, hat auch bei KYBURZ ihre Spuren hinterlassen. Das Geschäft läuft zwar nach wie vor, aber es ist auch wichtig, sich regelmässig einem breiten Publikum präsentieren zu können. Der Genfer Autosalon ist dafür eine bedeutende Plattform. Doch im letzten Jahr wurde allen Autofans ein Strich durch die Rechnung gemacht. «Wir waren sozusagen bereits auf dem Weg nach Genf, als die Absage kam», erzählt Martin Kyburz. Einer wie er lässt sich davon aber nicht beeindrucken. «Wir haben daraufhin das Circular Economy Symposium ins Leben gerufen, das im September 2020 erstmals stattfand. In fünf Workshops zu ganz unterschiedlichen Themen haben wir das Thema Kreislaufwirtschaft erlebbar gemacht.» Martin Kyburz’ Innovationsfreude scheint auch nach so vielen Jahren ungebrochen. Doch welche Träume hat jemand, der schon so viel erreicht hat? Er schmunzelt. «Ich hätte gern eine Insel, auf der es nur Elektrofahrzeuge gibt. Und davon auch nur so viele, wie es tatsächlich braucht.» Auf der Strasse fährt wie zur Bekräftigung ein älterer Herr auf seinem feuerroten KYBURZ-Dreirad, Modell DX2 vorbei. Dass es sich lohnt, an seinen Visionen festzuhalten, hat Martin Kyburz in den letzten drei Jahrzehnten bewiesen. Also warum nicht auch eine Insel der E-Mobilität?

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