Virtuelles Kraftwerk mit realer Power

Virtuelles Kraftwerk mit realer Power

Immer mehr Dinge gibt es heute virtuell: Spiele, Wohnungsbesichtigungen oder ganze Ausbildungen. Und sogar Kraftwerke. Die EKZ betreiben ein solches virtuelles Kraftwerk. Ein Beispiel aus dem Nachbarkanton zeigt, wie Unternehmen davon profitieren können.

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Das Gebäude ist unscheinbar und steht ganz am Rand des Areals des Kantonsspitals Baden. Sein Innenleben hat es aber in sich. Es besteht unter anderem aus drei gelben Kraftprotzen – den Notstromgeneratoren. Diese würden das Spital bei einem Stromausfall während mehrerer Wochen mit Energie versorgen.

 
«Die geballte Kapazität dieser dezentralen Anlagen vermarkten wir.»

 

Stillstand lohnt sich

Zum Glück mussten die drei Generatoren noch nie eingesetzt werden. Einzig für den monatlichen Funktionstest wurden sie bisher jeweils angeworfen. Ansonsten stehen sie still. Und das lohnt sich – gleich doppelt! Die Generatoren sind Teil des sogenannten virtuellen Kraftwerks der EKZ. In diesem verbinden die EKZ Anlagen verschiedener Betreiber mittels Informationstechnologie zu einem virtuellen Grosskraftwerk. «Die geballte Kapazität dieser dezentralen Anlagen vermarkten wir», erklärt Stella Poelzig von den EKZ. Das bringt Erlöse für Anlagenbetreiber und hilft mit, die Schweizer Stromversorgung sicherzustellen.
Abnehmerin des Stroms ist die nationale Netzbetreiberin Swissgrid. Sie hat unter anderem die Aufgabe, das Schweizer Stromnetz stabil zu halten. Das wird angesichts der zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien immer schwieriger. Die Unberechenbarkeit von Sonne und Wind führt dazu, dass Swissgrid über die Möglichkeit verfügen muss, je nach Bedarf umgehend zusätzlichen Strom ins Netz einzuspeisen oder die Stromproduktion zu drosseln. «Wer solche Regelenergie bereitstellen kann, wird von Swissgrid dafür entschädigt», erklärt Expertin Poelzig. Die Bereitschaft alleine wird vergütet, die Lieferung von Strom dann noch obendrauf.

Beitrag an Energiewende

Davon profitieren das Kantonsspital Baden und alle anderen Anlagenbetreiber, die sich am virtuellen Kraftwerk der EKZ beteiligen. Und zwar nicht nur finanziell. Sie leisten gleichzeitig einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Schweiz und zur Energiewende.

«Wer solche Regelenergie bereitstellen kann, wird von Swissgrid dafür entschädigt», erklärt Stella Poelzig.
«Wer solche Regelenergie bereitstellen kann, wird von Swissgrid dafür entschädigt», erklärt Stella Poelzig.
Leisten mit den EKZ einen Beitrag an Energiewende: Die Generatoren des Kantonsspital Baden.
Leisten mit den EKZ einen Beitrag an Energiewende: Die Generatoren des Kantonsspital Baden.
Das virtuelle Kraftwerk der EKZ: So funktioniert es

Primärer Zweck hat Vorrang

Und was, wenn es im Kantonsspital Baden doch einmal zu einem Stromausfall kommen sollte? Dann hat der primäre Zweck der Dieselgeneratoren natürlich Vorrang. «Zudem bestimmt der Anlagenbetreiber, wann und wie wir Zugriff auf seine Kapazitäten haben», erklärt Stella Poelzig. In einem Kundenportal können zum Beispiel geplante Probeläufe und Wartungsarbeiten hinterlegt werden. Dann wissen die EKZ, dass ihr virtuelles Kraftwerk für eine gewisse Zeit auf die jeweilige Anlage verzichten muss.

 

«Der Anlagenbetreiber bestimmt, ob und wann wir Zugriff auf seine Kapazitäten haben.»

 

Stromkunden profitieren

Ins virtuelle Kraftwerk der EKZ sind sehr unterschiedliche Anlagen eingebunden – so etwa das Holzheizkraftwerk Aubrugg in Zürich. Dort werden aus Holzschnitzeln Wärme und Strom gewonnen. Auch Kehrrichtverbrennungsanlagen können Regelenergie zur Verfügung stellen. «Gerade weil das virtuelle Kraftwerk unterschiedliche Technologien nutzt, ist es weniger den witterungsbedingten Schwankungen unterworfen als die Wasserkraftnutzung», erklärt Stella Poelzig. Während Wasserkraftwerke in gewissen Wintermonaten weniger Regelleistung bereitstellen können, steht das virtuelle Kraftwerk der EKZ ganzjährig mit mehr oder weniger gleicher Kapazität zur Verfügung.
Seit auch virtuelle Kraftwerke Regelenergie an Swissgrid liefern, herrscht viel mehr Wettbewerb unter den Anbietern dieses Reservestroms. Dies hat zur Folge, dass einerseits die Versorgungssicherheit steigt. Andererseits sinken die Preise für Regelenergie. Dies wiederum spüren die Stromkunden, da sie diese Regelenergie über den Strompreis mitfinanzieren. 

Für ein virtuelles Kraftwerke eignen sich verschiedene Anlagen, unter anderem: Dieselgeneratoren/Notstromanlagen, Turbinen, Tiefkühlhäuser, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen, Kleinwasserkraftwerke etc.
Die Anlagen müssen eine Leistung von mindestens 200 Kilowattstunden haben und ihre Leistung für mindestens vier Stunden am Stück reduzieren oder erhöhen können. Zudem müssen die Anlagen über eine Schnittstelle verfügen, damit sie extern angesteuert werden können.