Der Mann des Wassers

Der Mann des Wassers

Fast 20 Jahre nahm die Konzessionserneuerung des Kraftwerks in Dietikon in Anspruch. Projektleiter Alfredo Scherngell zeigte dabei nicht nur starke Nerven, sondern auch viel Verhandlungsgeschick.

Regelmässig spannende
Infos aus der Energiewelt?
Jetzt abonnieren

Gerade am Wochenende davor hatte ihn eines seiner drei Kinder gefragt, welches der vier Elemente denn sein liebstes sei. Überhaupt keine Frage, hatte der Papa geantwortet: Sein Element sei das Wasser. Der studierte Bauingenieur war schon bei seinen früheren Projekten im Tunnelbau fasziniert von der Kraft des Wassers, heute betreut er die Sanierung des Kraftwerks Dietikon, welche im Rahmen der Konzessionserneuerung der ganzen Anlage vorgenommen wird. «Ich mag Wasser, habe das Segelbrevet und wohne in Seenähe», erzählt er. «Dass wir die Kraft des Wassers hier nutzbar machen, gefällt mir natürlich ganz besonders.»

«Dass wir die Kraft des Wassers nutzbar machen, gefällt mir natürlich ganz besonders.»

Im Herbst dieses Jahres werden die Bautätigkeiten beendet, und das neue Kraftwerk an der Limmat wird ans Netz gehen. Fast 20 Jahre wird die Konzessionserneuerung für den Betrieb des Kraftwerks bis dahin in Anspruch genommen haben. Eine ganze Schrankwand voll mit Projektunterlagen zeugt von der Komplexität des Unterfangens. «Das Projekt war äusserst anspruchsvoll wegen der vielen Teilprojekte. Allein dass wir gleich zwei Kraftwerke bauen – und das fast zeitgleich –, machte die kurze Bauphase sehr intensiv», erklärt Scherngell. Ausserdem liegt die Baustelle in einer Stadt. Dadurch standen die Bauarbeiten stark im Fokus der Öffentlichkeit. Den 44-jährigen gebürtigen Österreicher scheint jedoch kaum etwas aus der Ruhe zu bringen. Mit seiner besonnenen Art schaffte er es, die vielen Parteien, die bei der Konzessionsvergabe mitredeten, an einen Tisch zu bekommen und zwischen ihnen zu vermitteln. Denn: «Gegen das Kraftwerk hatte ja eigentlich keiner etwas. Es ging vielmehr darum, all die Ansprüche von Behörden, Vereinen und Verbänden unter einen Hut zu bringen. Unterdessen wurde ich schon fast zum Vogel- und Fischspezialisten», schmunzelt er. Die intensiven Diskussionen führten nebst der eigentlichen Bautätigkeit am Kraftwerk zu zahlreichen ökologischen Massnahmen entlang der Limmat, beispielsweise einem neuen Flusslauf durch den Auenwald auf der Nordseite der Insel, der unter anderem ideale Bedingungen für den Eisvogel und die Gartengrasmücke schafft – beides gefährdete Vogelarten. «Diese Massnahmen bringen eine enorme Aufwertung für die Natur an der Limmat», ist Scherngell überzeugt.

Im Herbst folgt eine intensive Testphase, bis die Turbinen erstmals ans Netz gehen. «Dann werde ich im Steuerungsraum sitzen und mit grosser Befriedigung zusehen, wie das Kraftwerk die erste seiner dereinst 20 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert.»