Bijou auf dem Berg

Bijou auf dem Berg

Geniessen Sie ungekünstelte Speisen in historischen Räumen. Im Gyrenbad im Tösstal vermählt sich der herbe Charme des Ländlichen mit prachtvoller ­Architektur.

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Das Gyrenbad oberhalb Tur­ben­thal liegt ab vom Schuss. Doch wer hierherkommt, wird es nicht bereuen. Die Sicht aufs Tösstal ist sensationell, das Haus ein Schmuckstück. Und wie in so vielen Landgasthöfen ist hier eine Gastgeberin mit Seele am Werk.

Die Chefin, Lore Kunz, ist praktisch im Restaurant aufgewachsen. In der lindgrünen Gaststube erzählt sie mit einem Schmunzeln von ihrer Kindheit. «Dort, neben dem Kachelofen, haben wir jeweils gegessen. In unserer kleinen Wohnung im oberen Stock hatten wir gar keine Küche.»

Bereits 1932 kauften ihre Vorfahren den Gasthof, ein Familienbetrieb ist er bis heute geblieben. Auch Lores 86-jährige Mutter und ihre 21-jährige Tochter arbeiten mit. Die heutige Chefin übernahm vor sechs Jahren die Leitung. Sie kümmert sich um das Büro, ist aber auch oft an der Front. Ausgleich für ihre langen Arbeitstage findet sie auf dem Bike, beim Joggen oder auf den Ski.

Lore Kunz, eine Frau mit herbem Charme, ist immer «fadegrad». Ihre Stammgäste kennt sie seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Diese – und mittlerweile auch deren Kinder – halten dem Gyrenbad die Treue; sie feiern hier ihre Hochzeiten, Taufen oder Geburtstage.

Reiche Tradition

Das Gasthaus hat eine stolze Geschichte. 1364 erstmals urkundlich erwähnt, war es über Jahrhunderte ein ­Kurbad für die bessere Gesellschaft von nah und fern. Gebadet wurde in Holzzubern – nicht etwa in einem Pool wie heute üblich. 1968 wurde der Badebetrieb eingestellt. Die Quelle ist heute versiegt, doch aus der Kur-Ära geblieben sind die sieben Gästezimmer. Diese sind vor allem an Wochenenden belegt, von Ausflüglern oder von den Gästen der Feste, die hier veranstaltet werden. Denn für Anlässe und Feiern aller Art ist das Gyrenbad weitherum die Adresse. Verschiedene Räume wie der Feuerkeller, der Damen­salon und ein grosser Saal stehen zur Verfügung. ­Deckenmalereien, antike Möbel und seidene Vorhänge im Louis-XV-Stil zeugen von alter Pracht: Das Gyrenbad ist auch ein historisches Hotel.

«Das Gasthaus hat eine stolze Geschichte. 1364 erstmals urkundlich erwähnt, war es über Jahrhunderte ein Kurbad für die bessere Gesellschaft von nah und fern.»
Drei Generationen, eine Leidenschaft: Chefin Lore Kunz (sitzend) mit ihrer Mutter und ihrer Tochter.
Drei Generationen, eine Leidenschaft: Chefin Lore Kunz (sitzend) mit ihrer Mutter und ihrer Tochter.
Ein herrschaftliches Anwesen, ­eingebettet in die wunderbare Berglandschaft des Tösstals.
Ein herrschaftliches Anwesen, ­eingebettet in die wunderbare Berglandschaft des Tösstals.
Von der Terrasse aus lässt sich der einmalige Blick über die Landschaft geniessen.
Von der Terrasse aus lässt sich der einmalige Blick über die Landschaft geniessen.
Die Gaststube versprüht ur­sprünglichen Charme, ohne verstaubt zu sein.
Die Gaststube versprüht ur­sprünglichen Charme, ohne verstaubt zu sein.
Von der Hochzeit bis zum Vereinsjubiläum: Das Gyrenbad ist eine beliebte Location für Anlässe aller Art.
Von der Hochzeit bis zum Vereinsjubiläum: Das Gyrenbad ist eine beliebte Location für Anlässe aller Art.
In der Küche ent­stehen Gerichte, die gleichermassen raffiniert und boden­ständig sind. Eine stetig wachsende Anzahl an immer wiederkehrenden Gästen ist die ­Be­­lohnung dafür.
In der Küche ent­stehen Gerichte, die gleichermassen raffiniert und boden­ständig sind. Eine stetig wachsende Anzahl an immer wiederkehrenden Gästen ist die ­Be­­lohnung dafür.
Hohe Qualität und Modernität mit traditionellen Wurzeln: Darauf wird im Gyrenbad Wert gelegt.
Hohe Qualität und Modernität mit traditionellen Wurzeln: Darauf wird im Gyrenbad Wert gelegt.

Auch die Küche ist der Tradition verpflichtet, aber man ist offen für Neues. Die Speisen sind ehrlich und schmackhaft. Auf der Karte finden sich vor allem klassische Gerichte, vom Züri Geschnetzelten bis zur Bratwurst – hier vom Zürcher Oberländer Lamm. Veganer oder Fischliebhaber können ebenfalls zwischen mehreren Menüs wählen.

Eine der Spezialitäten, der Schmorbraten vom Wasserbüffel, ist in puncto Regionalität nicht zu überbieten: Die Tiere stammen vom Nachbarhof! Der Braten, so zart, dass man ihn mit der Gabel zerteilen kann, zergeht fast auf der Zunge. Er dürfte vielleicht etwas würziger sein, doch die dazu servierte Bramata-Polenta mit Haselnüssen lässt nichts zu wünschen übrig. Angerichtet ist das Menü mit hübschen violetten Kresseblüten. Auch beim Dessert liege ich mit einem Klassiker goldrichtig. Die überbackenen Waldbeeren, eine Eigenkreation des Hauses, schmecken sehr lecker.

Die Weinkarte ist überschaubar. Neben vielen Tropfen aus der Region, beispielsweise von der Winzerin Nadine Saxer aus Neftenbach, bietet sie Trouvaillen aus dem südlichen Europa. Alle Weine sind auch im Offenausschrank erhältlich, und die Karte wechselt regelmässig.

Das Gyrenbad ist ein attraktives Ausflugsziel – zu jeder Jahreszeit. In der kalten Jahreszeit lockt die Langlaufloipe am Schauenberg oder der Schneeschuhtrail, der direkt am Gasthof vorbeiführt. Nun, da die wärmere Jahreszeit naht, lässt sich der Besuch des Gyrenbad mit verschiedenen Velo- und Wandertouren, etwa auf den nahen Schauenberg, bestens kombinieren. Dann ist das Gasthaus sehr gut ausgelastet – und Lore Kunz weibelt herum, begrüsst da Gäste, hilft dort. Sie arbeitet nicht einfach, sie lebt hier. Von früh bis spät. 

Gyrenbad
Girenbadstrasse 133
8488 Gyrenbad ob Turbenthal
Telefon 052 385 15 66
gyrenbad.ch

Offen:
Mo/Mi/Do/So 10 bis 21 Uhr
Fr/Sa 10 bis 22 Uhr

Betriebsferien:
9. bis 19. Februar 2019