Ausstecken und abfahren

Ausstecken und abfahren

Das Elektroauto verändert nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch unsere Gewohnheiten. Wie der Umstieg von einem herkömmlichen auf ein Elektroauto gelingt, verrät EKZ-Energieberater Hardy Schröder, der sein Elektroauto nicht mehr hergeben würde.

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Wenn Energieberater Hardy Schröder mit seinem BMW i3 unterwegs ist, sind Elektroautos schnell ein Thema. Nicht nur bei den Kunden, auch im privaten Umfeld. «Viele wollen wissen, wie es sich anfühlt, elektrisch zu fahren», erzählt er. Sehr schnell kommen aber auch Bedenken: «Lange Ladezeiten, geringe Reichweiten und keine öffentliche Ladestation in der Nähe – diese Vorbehalte höre ich oft. Meist zu Unrecht», sagt er, der nur noch elektrisch fährt. Überzeugt hat ihn der Fahrkomfort bei einem Elektroantrieb: «Es fährt sich sanft und ruhig. Das Elektroauto beschleunigt angenehm, weil es keine Schaltung hat, und es gibt mir ein gutes Gefühl, weil ich damit sehr wenig Emissionen verursache.» Aber der Umstieg auf ein Elektroauto erfordere ein Umdenken, gesteht Schröder, und zwar bereits dann, wenn jemand mit dem Gedanken spiele, ein Elektroauto zu kaufen.

90% aller Ladevorgänge finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt.
36,8 Kilometer legt die Schweizer Bevölkerung im Schnitt pro Tag zurück.
5,7 Kilowattstunden braucht es für 36,8 Kilometer.
1,5 Stunden braucht es, um den Verbrauch für die 36,8 Kilometer (3,7 Kilowatt) wieder aufzuladen.
In 7 Minuten ist der Verbrauch für die 36,8 Kilometer an einer Schnellladestation (50 Kilowatt) wieder aufgeladen.

Wofür brauche ich mein Auto?

«Meist haben wir ein bestimmtes Automodell im Kopf. Wir achten auf die Grösse, testen den Fahrkomfort, wählen Farbe und das Interieur usw. All das muss auch beim Elektroauto stimmen. Hinzu kommt aber mein Fahrverhalten: Wofür brauche ich das Auto? Wie viele Kilometer mache ich pro Tag? Wann fahre ich weiter als 200 Kilometer?», zählt Hardy Schröder auf. Als Vergleich: Die Schweizer Bevölkerung legt im Schnitt 36,8 Kilometer pro Tag zurück. Für solche Distanzen reicht ein Mittelklasse-Elektroauto mit einer Reichweite von 200 bis 300 Kilometern gut.
«Und ich muss mir überlegen, wo ich mein Elektroauto laden kann.» Erfahrungswerte und Prognosen zeigen, dass meistens dort geladen wird, wo das Auto am längsten steht: zu Hause oder – wer mit dem Auto zur Arbeit fährt – am Arbeitsplatz. Weitere Möglichkeiten sind öffentliche Ladestationen, wie es sie zum Beispiel in Schlieren am Färbiplatz oder in Wädenswil am Smart City Tower gibt.

Wo lade ich als Mieter?

Wer ein Haus mit eigener Garage und Ladestation besitzt, für den ist Laden kein grosses Thema. Wer jedoch als Mieter oder Stockwerkeigentümer in einer Überbauung wohnt, sollte vor dem Fahrzeugkauf die Verwaltung kontaktieren. «In diesem Fall heisst es nachfragen, ob der bestehende Stromanschluss ausreicht, gerade wenn mehrere Elektroautos gleichzeitig geladen werden sollen. Und die Abrechnung muss geregelt werden, damit der Strom, der in der Garage verbraucht wird, verursachergerecht verrechnet wird.» Aber auch hier gebe es gute Lösungen, sagt Hardy Schröder. «Ladestationen mit Lastmanagement sorgen dafür, dass nicht alle Elektroautos in der Tiefgarage einer Überbauung gleichzeitig geladen werden, und über das separate Abrechnungssystem lässt sich jede Ladung genau zuordnen und entsprechend verrechnen.» 

«Sobald ich mein Fahrverhalten sowie meine Lademöglichkeiten kenne, weiss ich, welche Reichweite mein Elektroauto haben muss und für welchen Lademodus es geeignet sein sollte.» Hardy Schröder, EKZ-Energieberater
«Sobald ich mein Fahrverhalten sowie meine Lademöglichkeiten kenne, weiss ich, welche Reichweite mein Elektroauto haben muss und für welchen Lademodus es geeignet sein sollte.» Hardy Schröder, EKZ-Energieberater

Wie schnell kann ich laden?

«Wichtig bei den Ladestationen ist noch, dass ich ihren Lademodus kenne, also ob sie schnell oder langsam laden. Die meisten Elektroautos laden eher langsam mit Wechselspannung, können aber auch schnell mit Gleichspannung geladen werden. Dies hängt vom Fahrzeug ab und muss beim Kauf beachtet werden», ergänzt Hardy Schröder. «Sobald ich mein Fahrverhalten sowie meine Lademöglichkeiten kenne, weiss ich auch, welche Reichweite mein Elektroauto haben muss und für welchen Lademodus es geeignet sein sollte», erklärt Schröder. Er empfiehlt, sich bei diesen Überlegungen auf den Alltag zu beschränken. «Wenn ich zum Beispiel im Sommer nach Italien ans Meer fahren möchte, muss ich ganz anders planen. Dann fahre ich mit voller Batterie von zu Hause los und nutze unterwegs die Schnellladestationen an den Autobahnen.» An Raststätten gibt es bereits einige solcher Stationen. Das Netz dieser Schnellladestationen wird künftig schnell wachsen, denn seit Anfang Jahr ist es in der Schweiz rechtlich möglich, auf Rastplätzen Schnellladestationen zu betreiben.

«Es gibt diverse Apps, die mir helfen, meine Route und meine Stopps optimal zu planen.»

Wie plane ich meine Fahrt?

«Längere Fahrten mit dem Elektroauto – auch innerhalb der Schweiz – muss ich planen, damit ich weiss, wo ich aufladen und eine Pause einlegen kann.» Das sei aber keine grosse Rechnerei: «Es gibt diverse Apps, die mir helfen, meine Route und meine Stopps optimal zu planen», erklärt Schröder (siehe gelbe Box unten). Im Alltag hingegen heisst es einfach: aussteigen und einstecken. «Denn ein Elektroauto lade ich vorzu wieder auf – wie ein Smartphone», meint er. «Und bevor ich abfahre, muss ich ausstecken. Da bin ich am Anfang oft ins alte Muster zurückgefallen – und nochmals ausgestiegen», erzählt Hardy Schröder schmunzelnd.  

Wer elektrisch fährt, kann fossile Treibstoffe durch erneuerbare, einheimische Energiequellen ersetzen. Besonders attraktiv sind Elektroautos im Zusammenspiel mit Solarstrom. e’mobile, eine Fachgesellschaft von Electrosuisse, organisiert gemeinsam mit Partnern Informationstage rund um Elektromobilität und Solarstrom. Vor Ort können Sie sich von unabhängigen Experten beraten lassen, Elektrofahrzeuge unverbindlich Probe fahren und so diverse Modelle direkt miteinander vergleichen.

Die Veranstaltungen 2018 sind bereits vorbei. Die Daten fürs 2019 werden demnächst publiziert (siehe Anlässe):

e-mobile.ch