Unterschiedliche Lichtfarben beleuchten derzeit die Rebbergstrasse in Weiningen. Die Leuchten stehen im Dienst der Forschung. Mithilfe von EKZ untersucht die WSL deren Einfluss auf die Insektenhäufigkeit und Fledermausaktivität.

Abrupt erlischt die orange leuchtende Natriumdampfleuchte. Peter Widmer löst unten im Mast die Schrauben der Klemme und fädelt das lange Kabel aus, nachdem er gerade den Strom gekappt hat. Sein Kollege Guido Giudici hat oben vom Korb des Hubsteigers aus bereits die Schraube des Leuchtenkopfs gelöst, zieht ihn nun samt Kabel aus der Fassung und steckt die neue LED-Leuchte hinein. Für die beiden Betriebsmonteure von EKZ alltägliches Business. Und doch ist ihre Arbeit hier an der Rebbergstrasse in Weiningen aussergewöhnlich. 

Insekten- und Fledermaus-Feldversuch

Denn an dieser Grenze zwischen Siedlung und Rebbergen findet ein Insekten- und Fledermaus-Feldversuch von EKZ zusammen mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) statt. Dabei dreht sich alles um die Leuchten, die Giudici und Widmer gerade montieren.

«1750 Kelvin hingegen leuchten orange wie die Natriumdampfleuchten, während 4000 Kelvin ein weisses Licht ergeben.»

«Sie haben verschiedene Farben, von 4000 bis 1750 Kelvin», erklärt Widmer während er das neue Kabel verdrahtet. Die Dioden leuchten warmweiss auf. «Das hier sind 3000 Kelvin, solche Lampen baut EKZ üblicherweise in neue Leuchten ein», sagt Kollege Giudici vom Hubsteiger herunter und fügt an: «1750 Kelvin hingegen leuchten orange wie die Natriumdampfleuchten, während 4000 Kelvin ein weisses Licht ergeben.» 

Zweite Studie von EKZ und WSL

Es ist bereits die zweite Untersuchung, die EKZ und die WSL gemeinsam durchführen. Vor zwei Jahren in Urdorf und Regensdorf drehte sich alles um unterschiedliche Lichtstärken und ihren Einfluss auf nachtaktive Insekten und Fledermäuse. Diesen Sommer untersucht man gemeinsam, was Insekten und Fledermäuse mehr anzieht: Lichtfarbe oder Leuchtenform. «Mit den neuen Erkenntnissen aus der Studie können wir bei künftigen Installationen unsere Kunden besser beraten», sagt Jörg Haller, der vorbeigekommen ist, um den Fortschritt der Arbeiten zu begutachten. Haller ist Mitinitiator der Untersuchung an der Rebbergstrasse und leitet bei EKZ die Abteilung Öffentliche Beleuchtung. Themen wie die Reduktion der Lichtverschmutzung und der gleichzeitig sicherheitsfördernde Einsatz von Beleuchtung sind ihm ein grosses Anliegen.

Oranges Licht für die Tierwelt

Die Wissenschaft geht derzeit davon aus, dass oranges Licht die Insekten weniger anlockt als weisses. Weisses ist hingegen besser für die Sichtbarkeit. «Es gibt aber Hinweise, dass die Streuung des Lichts für Insekten und Fledermäuse zusätzlich eine Rolle spielt», sagt Janine Bolliger von der WSL. Die Biologin ist ebenfalls vor Ort und montiert mit zwei Mitarbeitern Insektenfallen unter einem Teil der neuen Leuchten. Mithilfe dieser Fallen erhoffen sich Bolliger und Haller Erkenntnisse darüber, was die Insekten mehr belastet. «Insekten sind unter anderem wichtige Bestäuber der Pflanzen, doch in den letzten Jahren sind sie zunehmend in Bedrängnis geraten», sagt Bolliger, während sie eine weitere Falle aus Plexiglas zusammensteckt. Das hänge damit zusammen, dass der Mensch immer mehr Land versiegle und in der Landwirtschaft mehr Pestizide verwende.

Ein möglicher weiterer Faktor sei aber auch die nächtliche Beleuchtung der Strassen. Beim Licht gehe es darum, dass dieses den Orientierungssinn der Insekten störe. «Insekten orientieren sich natürlicherweise an den Gestirnen, doch der Mensch hat diese Leuchtkörper heruntergeholt und verwirrt so die Insekten.» 

«Mit den neuen Erkenntnissen aus der Studie können wir bei künftigen Installationen unsere Kunden besser beraten» 

Ein Stück die Strasse hinunter stellt Stephan Blum seine Leiter an einen Leuchtmast, steigt hoch und öffnet den neu montierten Leuchtenkopf. «Ich programmiere die LED so, dass die Leuchtintensität aller Lampen gleich ist», sagt der Fachspezialist öffentliche Beleuchtung von EKZ. Damit die Programmierung exakt ist, war Blum mit den Leuchten im Eidgenössischen Institut für Metrologie in Bern und hat die Dioden jeder Farbe ausmessen lassen. «So stellen wir sicher, dass die Untersuchung nicht verfälscht wird.» Nach dem Programmieren montiert er an dieser Leuchte noch einen milchigen Zylinder über die LED-Strahler. «Mit dem Zylinder imitieren wir die vielerorts noch üblichen Pilzleuchten, die im Gegensatz zum gerichteten Strahl der LEDs ihr Licht breit streuen.»

«Dank der Sensoren wissen wir, wann welche Art vorbeigekommen ist und können so Rückschlüsse über den Einfluss von Leuchtenform und -farbe ziehen.»

Von den insgesamt 29 Leuchten hat je ein Drittel eine andere Farbe. Blum: «Damit es auch keine Verfälschung aufgrund des Standorts gibt, wechseln wir die Farben nach einem Monat – so hat jeder Standort einmal jede Farbe.» Jeweils die Hälfte der Leuchten einer Farbe werden zusätzlich mit einem Zylinder versehen. Fallen hat es nur an rund jeder zweiten Leuchte. Bolliger hat an einem dunklen Standort zudem zwei weitere Fallen aufgestellt. «Als Vergleich, damit ich sehe, wie viele Insekten zufällig in der Falle landen.»

Einmal pro Farbe und Leuchtenform hängen nebst der Fallen zusätzlich ein Fledermaussensor am Mast. Der Grossteil der fliegenden Säugetiere ist gefährdet oder potenziell bedroht, einige sind vom Aussterben bedroht. Auch ihr Vorkommen untersuchen EKZ und die WSL in Weiningen. «Dank der Sensoren wissen wir, wann welche Art vorbeigekommen ist und können so Rückschlüsse über den Einfluss von Leuchtenform und -farbe ziehen.» Die Studie von EKZ und der WSL dauert noch bis Ende August.

  • Zweite Studie von EKZ und WSL
  • 29 Leuchten in Weiningen
  • 3 verschiedene Lichtfarben (1750, 3000 und 4000 Kelvin)
  • 2 verschiedene Leuchtenformen (LED-Strahler und Pilzleuchten)
  • 18 Insektenfallen, 6 Fledermaussensoren
  • 2 Fallen an Dunkelstandorten als Referenz
  • Untersuchungszeitraum: Mitte Mai bis Ende August 2019